"Werders Sterne funkeln hell", hatte ein spanischer Reporter nach dem 3:1-Erfolg der Bremer über Hertha BSC, sinngemäß übersetzt, in seinen Laptop getippt. Er hatte einiges über den zweifachen Torschützen Miroslav Klose geschrieben, hinter dem ja angeblich halb Europa hinterher ist. Auch der Name von Diego war mehrfach zu lesen. Über Torsten Frings verlor er vor dem Endspiel in der Champions-League-Partie zwischen Werder und dem FC Barcelona keine einzige Silbe. Höchst merkwürdig, denn Frings ist in Werders Hierarchie eindeutig so etwas wie der Vier-Sterne-General. Und in Nou Camp gegen das Starensemble einmal mehr die Schlüsselfigur.

Auch gegen Hertha war er Klosinho hin oder her der überragende Mann auf dem Platz; Zentrale Anspielstation, Vorbereiter, Retter in höchster Not und Taktgeber des Bremer Spiels. 103 Ballkontakte hatten die Statistiker bei Frings ermittelt, mit Abstand die meisten. Über die Quote seiner gewonnenen Zweikämpfe war nichts zu lesen. Sie dürfte gefühlt bei knapp unter 100 Prozent gelegen haben. Frings' Art und Weise, Fußball zu spielen, ist ein einziger Zweikampf. Dass er einen Ball verloren gibt, kommt ungefähr so oft vor wie Schneefall auf den Malediven.

"Barcelona mag die Philosophie haben, Ronaldinho in der Liga zu schonen", sagte Werders Sportdirektor Klaus Allofs, "wir haben Klose und Frings eingesetzt, weil wir glauben, dass beides geht." Zum einen gab der Erfolg Werder Recht Barça spielte ohne Ronaldinho nur 1:1 gegen Levante zum anderen macht Allofs' Aussage deutlich, wen auch er als die Säulen des Bremer Teams sieht, dem heute ein Remis reicht, um den Titelverteidiger aus dem Wettbewerb zu werfen.

Es sieht wahrlich alles andere als elegant aus, wenn Torsten Frings über den Platz pflügt, stets ein wenig gebeugt, als trüge er nicht nur die Verantwortung für das Werder-Spiel, sondern auch noch einen Sack Kartoffeln auf den Schultern. Leichtigkeit mag ihm abgehen auf dem Fußballplatz, dennoch ist Frings alles andere als ein Vertreter der alten Schule. Er verkörpert den Prototyp des modernen defensiven Mittelfeldspielers, der in der Lage ist, das Spiel zu lesen, blitzschnell umschalten kann und Akzente in der Offensive setzt. Und würde Frings nach Kilometern bezahlt, Werder wäre wahrscheinlich pleite.

Ihm kommt es nicht auf Showeffekte an eher auf Effektivität, darauf, am Ende den Platz als Sieger zu verlassen. Nicht von ungefähr zählt Oliver Kahn zu seinen besten Freunden. In Bremen haben sie ihm bei einer der ersten Übungseinheiten vor über zehn Jahren den Spitznamen "Lutscher" verpasst. Weil der gerade 18-Jährige den damaligen Weltklassespieler Andreas Herzog als ebensolchen bezeichnet hatte. Eine große Klappe hatte Frings schon immer, für den diplomatischen Dienst taugt er nicht. Interviews sind ihm in der Regel ein Gräuel, für ihn gilt das Motto Adi Preißlers: "Entscheidend ist auf'm Platz."

Und dort zählt der 64fache Nationalspieler inzwischen zur Weltklasse. Rechtzeitig zum "Spiel des Jahres" ist Frings in der Form seines Lebens. Vor Barças Starensemble hat er keine Angst. "Es gibt leichtere Aufgaben, als dort zu bestehen, aber es ist inzwischen auch keine Überraschung mehr, wenn wir weiterkommen", sagt er. Und vielleicht fällt heute Abend auch dem spanischen Reporter auf, wie wertvoll Torsten Frings für Werder Bremen ist.

Sven Bremer ist Redakteur des Fußball-Magazins RUND "