Wer es glaubt, wird auch nicht selig werden mit seinen Telekom-Aktien. Angeblich greift der neue Konzernchef René Obermann jetzt ganz hart durch. Schon nach drei Wochen sei es ihm gelungen, die Führungsspitze des Konzerns neu zu ordnen, verlautet aus dem Aufsichtsrat.

Das klingt nach froher Botschaft. Allerdings: Obermann muss vor allem Löcher stopfen, die durch die Nacht- und Nebelaktion des Aufsichtsrats entstanden sind. Einem Putsch gleich hatte das Gremium Kai-Uwe Ricke, den Chef des größten europäischen Telekommunikationsunternehmens, aus dem Amt gekippt, als handele es sich um den Inhaber einer Berliner Würstchenbude.

Nun muss Obermann erst einmal jene Lücke schließen, die er bei der Tochter T-Mobile selbst durch seinen Karrieresprung hinterlässt. Und dass der bisherige Festnetzchef Walter Raizner geht, hatte sich schon länger abgezeichnet. Er kam seinerzeit von IBM, hatte zwar viel Erfahrung mit Computern und Großkunden. Aber das nützte ihm offensichtlich wenig im Umgang mit vielen Millionen Telefonkunden.

Jetzt kommt Timotheus Höttgens. Der enge Vertraute von Obermann versteht zwar etwas davon, hippe Handys zu verkaufen. Doch das ist einfacher, als auf einem streng regulierten Markt im Festnetz den Kundenschwund zu stoppen. Bleibt also abzuwarten, ob sich die Nummer mit Raizner wiederholt.

Es folgt das Drama mit dem Personalchef. Heinz Klinkhammer, der bisherige Personalvorstand, einer der innovativsten Manager in diesem Metier, geht vorzeitig und aus freien Stücken. Er ist jetzt 60 Jahre alt und hat den lange Zeit fast geräuschlosen Umbau von einer Behörde in einen Global Player gesteuert. Er baute seit der Privatisierung bereits 120.000 Arbeitsplätze ab. Es scheint so, dass die Arbeit in einem Konzern, der partout nicht zur Ruhe kommen will, irgendwann selbst den Motiviertesten mürbe macht.

Eigentlich, so soll es zwischen den Strippenziehern ausgemacht gewesen sein, sollte Regine Büttner als Kandidatin der Gewerkschaft Verdi Klinkhammers Nachfolge antreten. Doch sie wurde in wenigen Tagen derart demontiert, dass nun Finanzchef Karl-Gerhanrd Eick den Posten kommissarisch mitübernehmen muss. Nicht, dass Eick für diese Aufgabe ungeeignet wäre, aber eine solche Doppelfunktion dürfte selbst geniale Manager überfordern.

Vor allem aber: Dieser Vorgang ist ein fatales Signal an die eigenen Mitarbeiter, mit denen Obermann die Telekom "zum bestangesehenen Service-Unternehmen" machen will. Er zeugt von Desinteresse und Missachtung der Belange aller Beschäftigten. Motivation geht anders.

Aber vielleicht wissen die neuen Berater von Obermann einen Rat, wie die Mitarbeiter vom Gegenteil zu überzeugen sind. Einer soll jedenfalls aus einer Werbeagentur kommen. Und dort lebt man ja vom Sprücheklopfen.