Manche Hypothesen sind einfach nicht totzukriegen vor allem dann, wenn ihnen Studien mit verführerischen Ergebnissen zugrunde liegen. So haben Wissenschaftler beispielsweise 2001 publiziert, wie Mondphasen und Aktienrenditen zusammenhängen. Noch heute wird diese Studie in regelmäßigen Abständen zitiert und interpretiert.

Wirtschaftswissenschaftler zogen damals ganz unbedarft von medizinischen oder alternativmedizinischen Indikationen los und rechneten die Renditen der Aktienmärkte in 48 Ländern auf die Mondphasen herunter. Aufgeteilt wurden die Renditefenster einmal in die Woche vor und nach dem Vollmond und einmal in die Woche vor und nach dem Neumond, sodass zwei gegensätzliche Mondphasen einander gegenübergestellt werden.

Wer nun denkt, dass der volle Mond wie bei Ebbe und Flut die Kurse nach oben ziehe, der irrt sich. Es verhält sich nämlich genau umgekehrt. Das eindeutige Ergebnis hat wohl selbst die Forscher überrascht: Wer sieben Tage vor Neumond kauft und sieben Tage später verkauft, holt bei identischem Aktienportfolio im Schnitt 6,6 Prozent mehr Rendite heraus als derjenige, der dasselbe um den Vollmond herum macht. Diese Auswirkung beobachteten die Wissenschaftler in mehr oder weniger starkem Umfang in 43 der in die Studie einbezogenen Länder, was einer Trefferquote von 89,6 Prozent entspricht.

Damit standen die Ökonomen vor einem bekannten Problem: Das Ergebnis schien eindeutig, aber die Gründe waren nicht klar. Also wurde ein nahe liegender Schwenk vorgenommen, nämlich in Richtung Behavioral Finance, der Lehre vom Einfluss der Anlegerpsyche auf die Kursentwicklungen. Es sei ja bekannt, dass sich der Vollmond eher negativ auf die Stimmung auswirke. Weil Anlageentscheidungen emotional beeinflusst werden, könne der Mond zumindest indirekt mitverantwortlich für den Anlageerfolg sein.