25 Jahre nach dem ersten dokumentierten Fall von Aids ziehen Experten und Politiker eine durchwachsene Bilanz vom Kampf gegen die Seuche. Wie in jedem Jahr am 1. Dezember soll der Weltaidstag das Bewusstsein für die Gefahr schärfen, die von dem HI-Virus ausgeht. Weltweit nimmt die Zahl der Infizierten weiter zu. Doch gerade in den Industrieländern, denen längst wirksame Therapien zur Verfügung stehen, scheint das öffentliche Interesse an der Aids-Prävention zu schwinden: Auch in Deutschland infizieren sich wieder mehr Menschen mit dem - noch immer - tödlichen Virus.

Die Bedrohung durch das Aidsvirus HIV ist nach Ansicht von UN-Generalsekretär Kofi Annan "die größte Herausforderung unserer Generation". In einem Appell zum 19. Weltaidstag am 1. Dezember forderte Annan "jeden Präsidenten und Ministerpräsidenten, jeden Parlamentarier und sonstige Politiker" auf, sich dem Kampf gegen Aids zu verpflichten. Weltweit fehlt nach Angaben der Vereinten Nationen viel Geld im Kampf gegen die Immunschwäche: 2006 stünden umgerechnet knapp sieben Milliarden Euro zur Verfügung. Benötigt würden aber rund 15 Milliarden Dollar, hieß es.

Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF warnte vor einer "Aids-Epidemie katastrophalen Ausmaßes" in Osteuropa. "Der weltweit stärkste Anstieg der Neuinfektionen findet vor unserer Haustür statt", sagte Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. Allein in diesem Jahr hätten sich 270.000 Menschen in Osteuropa und in Zentralasien mit dem Aidserreger HIV angesteckt. Verglichen mit 2004 sei das ein Zuwachs von fast 70 Prozent.

Unterdessen drohe die weiterhin unheilbare Krankheit in Deutschland bei vielen Menschen aus dem Bewusstsein zu verschwinden, sagte der Geschäftsführer der Aidshilfe Frankfurt, Achim Teipelke, in einem dpa-Gespräch. Die Krankheit sei hierzulande "ein großes Tabuthema". Entgegen der verbreiteten Ansicht habe die Medizin Aids nicht im Griff. "Die Prävention ist aber heute so nötig wie eh und je. Das einzig wirksame Mittel gegen HIV ist, es nicht zu bekommen."

Der Chef des Aidsbekämpfungsprogramms UNAIDS der Vereinten Nationen, Peter Piot, begrüßte einen "positiven Trend im Verhalten junger Menschen". Der weltweite Rückgang neuer HIV-Infektionen bei Jugendlichen zeuge davon, dass diese Altersgruppe inzwischen dem Ruf nach der Benutzung von Kondomen folge, sich mehr Zeit lasse bis zum ersten Geschlechtsverkehr und vorsichtiger sei beim Partnerwechsel.