Der Entführer und Vergewaltiger der Schülerin Stephanie soll für immer hinter Gitter. Staatsanwältin Liane Pospischil hat am Dienstag im Prozess im Landgericht Dresden eine Haftstrafe von 14 Jahren und neun Monaten für den Angeklagten Mario M. gefordert. Wegen dessen Gefährlichkeit plädierte sie auch für eine anschließende Sicherungsverwahrung von dem 36-Jährigen seien ähnliche Straftaten zu erwarten.

Zu Beginn des Prozesses hatte der vorbestrafte Sexualtäter Mario M. gestanden, am 11. Januar die damals 13-jährige Stephanie entführt, über fünfeinhalb Wochen gefangen gehalten, sexuell missbraucht und gequält zu haben. "Es ist die fürchterliche Tat eines Menschen, die die Demonstration von Macht über eine Person darstellt, die nach dem Willen des Angeklagten über keinerlei Rechte verfügt, seinen Bedürfnissen zur Verfügung stehen und widerspruchsfrei das erfüllen sollte, was er sich unter einer Partnerschaft vorstellt", sagte die Staatsanwältin. Er habe die ständigen sexuellen Handlungen an und mit Stephanie mit Drohungen verbunden, sie umzubringen und, falls sie freikommen sollte, sich später an ihr zu rächen. Trotz schwerer seelischer Abartigkeit habe er "wissentlich und willentlich" gehandelt. Mario M. habe Stephanies Gesamtentwicklung erheblich gestört und auch die Angst der Eltern zu verantworten.

Zu seinen Gunsten wollten die Staatsanwältin und Mario M.'s Verteidiger Andreas Boine lediglich das detaillierte Geständnis, mit dem er dem Mädchen den Auftritt vor Gericht erspart habe, und seine Persönlichkeitsstörung gewertet wissen. Zudem sei die wie in kaum einem Strafverfahren erfolgte mediale Vorverurteilung zu berücksichtigen. Das betonte auch Verteidiger Boine, der Zweifel an den Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung äußerte. "Auch ein Täter, der schwere Sexualstraftaten begangen hat, verdient den Schutz des Grundgesetzes und Menschenwürde", sagte er und kritisierte das Vorgehen der Nebenklage als "bedenklich".

Der Nebenklage-Vertreter Ulrich von Jeinsen sagte hingegen, "es gibt nichts, das den Angeklagten entlastet". Er bat das Gericht, der 14-Jährigen die Angst zu nehmen, den Angeklagten je wieder zu begegnen, und sprach sich wegen Vergewaltigung, Geiselnahme, schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und Körperverletzung für die Höchststrafe von 15 Jahren plus Sicherungsverwahrung aus. Auf die Kritik der Staatsanwältin, dass die Vermarktung von Stephanies Schicksal eine weitere Belastung für das Kind gewesen wäre, antwortete von Jeinsen: "Hier ist keiner vermarktet worden. Wenn sie jemanden therapieren wollen, müssen sie Leute ansprechen."

Nach einem Bericht der Dresdner Neuesten Nachrichten strebt von Jeinsen eine Vereinbarung mit dem Freistaat Sachsen an, bis zum 22. Dezember Stephanies Familie 312.604 Euro zu zahlen. Sollte die Landesregierung sich weigern, wolle der Anwalt gegen das Land klagen, schreibt das Blatt. Der Sprecher des sächsischen Justizministeriums, Martin Marx, bestätigte am Dienstag, dass ein entsprechendes Fax des Anwalts am Freitag eingegangen sei.

"Es muss klar werden, welche finanzielle Hilfe wir erwarten können", sagte Stephanies Vater am Rande der Verhandlung. Die Familie wolle Ruhe haben und hoffe darauf, dass Mario M. nie mehr freikomme. Das Bedauern des Täters habe für ihn keinen Wert. Mario M. hatte im Gericht sein Opfer und dessen Familie um Verzeihung gebeten. "Ich will sagen, dass mir das, was ich getan habe, Leid tut."

Das Urteil soll an diesem Donnerstag verkündet werden.

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