Wenn das kein Medienthema ist: Ein Arbeitsloser schlägt acht Jobangebote aus - ausgerechnet solche, die ihm der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz Kurt Beck vermittelt hat. "Deutschlands frechster Arbeitsloser" titelt Bild und rechnet Henrico Frank gleich noch vor, was er hätte verdienen können.

Nun ist es nicht so, dass Beck sich um jeden einzelnen Arbeitslosen so direkt kümmern würde. Vielmehr hatte Frank den SPD-Vorsitzenden in der vergangenen Woche während einer Veranstaltung in Wiesbaden lautstark für seine Arbeitslosigkeit verantwortlich gemacht. Daraufhin hatte Beck geantwortet: "Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job." Was die Medienmaschinerie erst in Gang gesetzt hatte. Kurz darauf tauchte Frank, blank rasiert und mit gestutzter Mähne, auf.

Eigentlich hatte sich Beck sogar mit dem arbeitslosen Mann treffen wollen. Daraus wurde nichts. Zwei von Beck angebotene Termine in Mainz für diese Woche seien von Frank abgesagt worden, teilte die Staatskanzlei mit. Die Vorsitzende der Wiesbadener Hartz-IV-Plattform begründete die Absage mit einem nicht aufschiebbaren Termin mit Kirchenvertretern, die die Plattform seit langem unterstützten. Der Initiative gehört Frank als zweiter Vorsitzender an.

Zwei Mitarbeiter der Staatskanzlei hatten die Angebote deshalb bei Frank zu Hause abgeliefert. Der sei nicht daheim gewesen, und deshalb hätten die Boten den Umschlag mit den Angeboten in den Briefkasten geworfen, berichtete die Staatskanzlei. Die Offerten stammten von seriösen Firmen. Die Sprecherin der Plattform sagte während einer Pressekonferenz auf der Straße vor ihrem Wiesbadener Wohnhaus, Frank kenne die Angebote noch nicht. Der Arbeitslose stand während der Konferenz stumm neben der Frau. "Herr Frank gibt keine Interviews", sagte die Plattform-Vorsitzende.

Für die Staatskanzlei ist der Fall erledigt. "Damit ist die Zusage des Ministerpräsidenten erfüllt", hieß es. Zu den Unternehmen, die die Stellen anbieten, zählen zwei Baubetriebe im rheinhessischen Wörrstadt und Ingelheim, ein Malerbetrieb in Mainz und eine Gaststätte in Wiesbaden.

Die Staatskanzlei hat auch das Wiesbadener Sozialamt informiert. Der Wiesbadener Sozialdezernent Wolfgang Hessenauer (SPD) drohte Frank mit der Kürzung der Unterstützungszahlungen, falls er die Angebote Becks ablehnen sollte. Das Sozialamt habe Frank schriftlich auf die "negativen Folgen für seinen Hartz-IV-Bezug" hingewiesen.

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