Mit dem großen Missverständnis HipHop beschäftigt sich Uh-Young Kim in der taz . Ein politischer Aufschrei aus den Ghettos sei HipHop am Anfang nicht gewesen. "Des Blutvergießens aus der Gangkultur überdrüssig, wandten sich die Kids Anfang der Siebziger vom kollektiven Kampf ab, sie wollten feiern und cool aussehen. Erst Jahre nach dem ersten HipHop-Hit wurde das Fundament für den politischen Rap gelegt: Grandmaster Flashs The Message von 1982 reflektierte die hoffnungslose Stimmung unter den Bedingungen der Reaganomics. Zuvor hatte das Kollektiv Zulu Nation um Afrika Bambaataa eine Definition von consciousness vorgelegt, die dem Individualismus in der jungen Subkultur näher lag. Hierbei ging es nicht um die Aufdeckung von Machtverhältnissen, sondern um knowledge of self – das Bewusstsein über das eigene (göttliche) Wesen. Die revolutionäre Basis war nicht der Kampf von Organisationen gegen Systeme und Institutionen, sondern die persönliche Transformation."

Der Markt bestimmt allerdings das Geschehen. Authentizität scheint nach wie vor ein Verkaufsargument, ganz gleich ob dies im Einklang mit der Realität steht oder geschickt in Szene gesetzt wird. In Deutschland sind diese Strategien etwas bescheidener geraten, vielleicht aber gerade deswegen umso plumper. Was Uh-Young Kim mit Blick auf die Szene in Amerika beschreibt, gerät bezogen auf deutsche Reimverhältnisse fast absurd. Sido , Bushido und Co. bestimmen zwar zurzeit den Markt der Jungen, ganz ernst nehmen kann und sollte man ihre verbalen Rundumschläge allerdings nicht.

Darauf verweist auch Thomas Winkler, der den Berliner Problem-Kiez-Dichtern ebenfalls in der taz einen Artikel gewidmet hat. Das "Maulheldentum" der deutschen Gangster-Rapper fuße auf dem "Battle-Gedanken, nach dem man im HipHop Konflikte regelt – als Rapper mit der schnellen Zunge, als B-Boy mit verwegeneren Tanzschritten und als Writer mit den großflächigen Graffiti. Könnte es sein, dass einige falsch verstanden haben, dass die Übertreibung zum Text gehört, dass auch Rapper nur eine Rolle einnehmen?"

Die Rolle des melancholischen Dandys und Außenseiters beherrscht der englische Sänger Steven Patrick Morrissey perfekt. Zusammen mit seiner Band The Smiths hat er in den Achtzigern die Stadt Manchester im Pop verankert. Die Nachbeben sind noch heute zu spüren: bei den kanadischen The Dears und fast allen britischen Gitarrenbands der vergangenen Jahre.

Die Smiths sind Geschichte, seit Jahren tritt "Mozza", wie ihn die englischen Fans nennen, nur noch als Solokünstler auf. Aber ein paar Klassiker der Band spielt Morrissey immer noch. Von seinem Exil in Kalifornien hat es ihn unlängst nach Rom verschlagen. "Il Mozzalini" titelte prompt die englische Musikpresse, die seit jeher ein zwiespältiges Verhältnis zu dem gut gekleideten Exzentriker hat.

Die aktuelle Tournee führt ihn nach Jahren auch mal wieder durch Deutschland. Sandra Danicke von der FR erlebte einen "fantastischen Abend mit einer fantastisch bombastischen Band und einem fantastisch gelaunten Morrissey, der sich stimmlich in Topform präsentierte".