Die Geschichte werde ihm Recht geben, prophezeite Donald Rumsfeld bei seinem Abschied als Chef des Pentagons. Ob er das wirklich glaubt? Immer überschaubarer wird die Schar derjenigen, die noch einen "Sieg" Amerikas im Irak beschwören. George W. Bush gehört zu ihnen, sein Vize Dick Cheney, natürlich. Aber selbst beim harten Kern der Neokonservativen bröckelt die Front der Kriegsbefürworter.

Das nun zu Ende gehende Jahr hat das Scheitern der amerikanischen Irak-Politik für jedermann sichtbar gemacht. Die Kongresswahlen Anfang November wurden zu einem Referendum gegen den Krieg. Zu hoch ist den Amerikanern der Preis: 3000 irakische Zivilisten sterben jeden Monat, mehr als 2900 US-Soldaten sind bisher gefallen. Nicht Demokratie hat die Invasion dem Irak gebracht, sondern Anarchie.

Und niemand weiß einen Weg aus dem Schrecken. Eine gute Lösung gibt es nicht, nur schlechte und weniger schlechte Optionen. Eine davon wäre es, die Vorschläge der Baker-Kommission umzusetzen. Im Wesentlichen laufen sie auf zweierlei hinaus: Erstens, die Internationalisierung des Konflikts, d.h. die Einbeziehung aller Nachbarstaaten in die Suche nach einer politischen Lösung; zweitens, die Nationalisierung der militärischen Auseinandersetzungen, d.h. die Stärkung der irakischen Armee und damit verbunden den schrittweisen Abzug der US-Kampftruppen bis zum Jahresbeginn 2008.

Ob damit, wie Kritiker warnen, alles nur noch schlimmer würde? Wer wollte das schon ausschließen. Aber die Mehrheit der Iraker empfindet die Amerikaner längst als Besatzer, Angriffe auf sie gelten als legitim. Ihre Anwesenheit provoziert täglich neue Gewalt, statt diese einzudämmen.

Präsident Bush hat politische und moralische Schuld auf sich geladen, als er diesen unnötigen und unbegründeten Krieg vom Zaun brach. Amerikas Ansehen ist auf einen Tiefpunkt gesunken, mehr noch, die Weltmacht hat sich durch schiere Inkompetenz und Hybris gelähmt. Gestärkt hat Bush allein Amerikas stärksten Widersacher in der Region, das Regime des Holocaustleugners Ahmadineschad in Teheran.

Der Irak also ein weiteres Kapitel in der ewigen Geschichte jener "Torheit der Regierenden", von der die Historikerin Barbara Tuchman einst schrieb? Das wäre schon trostlos genug. Aber das Grauen könnte noch größer werden. Am Ende dieses Jahres steht der Mittlere Osten am Rande eines Großkonfliktes, zu dem das Chaos im Irak, die Machtkämpfe im Libanon und die Rivalität zwischen Fatah und Hamas in Palästina zusammenwachsen könnten.

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