Die Hinrichtung des 69-Jährigen fand kurz vor 06.00 Uhr Ortszeit (04.00 MEZ) statt. Saddam sei mit einem Koran in den gefesselten Händen im Hinrichtungsraum erschienen, sagte der Sicherheitsberater der irakischen Regierung, Muwaffak al-Rubai, der an der Hinrichtung teilgenommen hatte. Den Koran habe er an jemanden übersenden wollen, dies sei ihm auch versprochen worden. Kurz vor Vollstreckung des Urteils sei ihm nochmals das Todesurteil und dessen Bestätigung durch ein Berufungsgericht verlesen worden. Saddam habe wie ein "gebrochener Mann gewirkt", habe aber keine Reue gezeigt, berichtete al-Rubai. Er habe es abgelehnt, mit verhülltem Kopf zu sterben.

Die Hinrichtung habe internationalem, irakischem und muslimischem Recht entsprochen, sagte al-Rubai. "Von A bis Z" sei alles gefilmt und auf Fotos festgehalten worden. Rund sechs Stunden nach Hinrichtung zeigte das Staatsfernsehen "al-Irakija" am Samstag Videobilder von der Exekution. Zu sehen waren zwei mit Henkersmützen maskierte Männer, wie sie dem 69-Jährigen ein schwarzes Tuch um den Hals binden und ihn dann mit auf dem Rücken gefesselten Händen in einen Raum zum Galgen führen. Die Scharfrichter, die ihm offensichtlich die Prozedur erläutern, legen ihm dann die Schlinge um den Hals und ziehen sie an. Danach wurde die Ausstrahlung abgebrochen. Saddam, der in einen schwarzen Mantel gekleidet war, wirkte gefasst und nachdenklich. Einige Male schluckte er.

Der Richter Munir Haddad berichtete anschließend, Saddam Hussein sei aufgefordert worden, nochmals das moslemische Glaubensbekenntnis zu sprechen. Dies habe er auch getan. Seine letzten Worte aber habe er an das irakische Volk gerichtet. "Ich hoffe, dass Ihr geeint bleiben werdet und ich warne Euch, vertraut der iranischen Koalition (der schiitischen Regierung) nicht, diese Leute sind gefährlich", sagte der Todeskandidat demnach. Und dann: "Ich habe vor niemandem Angst."

Der Anwalt Saddams, Curtis Doebbler, sagte dem US-Sender CNN, die irakische Regierung wolle den Leichnam Saddams nicht der Familie übergeben, sondern in einem anonymen Grab beisetzen. Dagegen forderte eine Tochter Saddams die vorübergehende Beisetzung im Jemen. Wenn es die politischen Verhältnisse erlauben, solle ihr Vater dann später im Irak seine letzte Ruhe finden.

Am Samstag forderten mehrere hundert Demonstranten in Tikrit die Überführung des Leichnams in den Heimatort des Ex-Diktators. Kurz zuvor hatten die Scheichs des Tikriti-Stammes und der Rat der rund 175 Kilometer nördlich Bagdads gelegenen Stadt gefordert, der Leichnam solle mit einem US-Flugzeug nach Tikrit gebracht werden. Sie befürchten offenbar, die Leiche könnte von Exremisten - etwa schiitischen Milizionären - entführt und geschändet werden.

Im Islam sollte ein Mensch, der vor zwölf Uhr mittags gestorben ist, möglichst noch am selben Tag beerdigt werden. Dies ist aber nicht bindend.