Die Nato hat Hilfe der Bundeswehr bei der Luftaufklärung in Afghanistan angefordert. Die Bundesregierung prüfe derzeit einen entsprechenden Antrag des stellvertretenden Nato-Oberbefehlshabers John Reith, sagte der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Thomas Raabe, am Mittwoch in Berlin. Denkbar sei, dass Aufklärungs-Tornados der Luftwaffe den Auftrag erfüllen könnten. Konkret habe die Nato militärische Fähigkeiten in der Nachrichtengewinnung sowie bei der Luftaufklärung und der Luftüberwachung angefragt. Darin habe das Verteidigungsbündnis Defizite in Afghanistan.

Mit einer Antwort der Bundesregierung sei Anfang kommenden Jahres zu rechnen, sagte Raabe. In ihrem Antrag bitte die Nato nicht um eine konkrete Zahl von Soldaten. Die Luftaufklärung werde in ganz Afghanistan benötigt. "Das ist eine Anfrage auf eine Fähigkeit hin, die durchaus auch in anderen Teilen zum Einsatz kommen könnte", sagte Raabe. Bisher ist die Bundeswehr als Teil der Nato-Friedenstruppe Isaf vor allem im Norden des Landes im Einsatz. Soldaten dauerhaft in den umkämpften Süden zu schicken, hatte Deutschland trotz des immer heftigeren Drängens der Nato abgelehnt. Eine konkrete Anfrage hatte die Nato nach Angaben der Regierung bisher jedoch nicht gestellt.

Schon vor dem Nato-Gipfel in Riga war allerdings spekuliert worden, die Bundesregierung könnte der Nato statt Kampftruppen Hilfe bei der Luftaufklärung im Süden anbieten. Konkret war der Einsatz von Aufklärungs-Tornados oder Luna-Drohnen erwähnt worden, wofür kein neues Mandat nötig wäre. Allerdings hat die Bundeswehr das auf den Einsatz von höchstens 3000 Soldaten beschränkte Afghanistan-Mandat zuletzt zahlenmäßig praktisch ausgeschöpft. Für Betrieb und Wartung von sechs Tornados wären 250 zusätzliche Soldaten nötig.

Das Bundestagmandat betrachtet als Einsatzgebiet der deutschen Soldaten den Norden Afghanistans, für den die Bundeswehr das Kommando übernommen hat. Außerdem sind deutsche Soldaten in der Hauptstadt Kabul stationiert. In Ausnahmefällen darf die Bundeswehr allerdings auch - in begrenztem Ausmaß - in allen anderen Regionen des Landes aktiv werden. "Darüber hinaus sind das deutsche Isaf-Kontingent, deutsche Soldaten in Nato-Stäben wie auch deutsche Anteile an Nato-Verbänden (z.B. Nato-Fernmeldebataillone) in der Lage, bei Bedarf (...) die Isaf-Operation zeitlich und im Umfang begrenzt in anderen Regionen zu unterstützen, sofern dies zur Erfüllung des Isaf-Gesamtauftrages unabweisbar ist", heißt es in dem vom Bundestag beschlossenen Mandat. Dies gelte vor allem für Logistik, Sanitätsversorgung, Nachrichtengewinnung und Aufklärung.

Bisher hatte die Bundeswehr immer wieder bei Transportflügen in den Süden ausgeholfen. Deutsche Fernmeldespezialisten waren zeitweise im südafghanischen Kandahar im Einsatz. Der Süden Afghanistans gilt als Hochburg der radikal-islamischen Taliban und des Drogenhandels. Die Briten verloren dort zuletzt mehr Soldaten als im Irak, auch Kanada und die Niederlande haben gefallene Soldaten zu beklagen.