Ostasien steht kurz vor einem Rüstungswettlauf. In diese Lage hat der nordkoreanische Atomwaffentest vom Oktober dieses Jahres die Region gebracht. Wovon hängt es ab, ob es zum Schlimmsten kommt? Merkwürdigerweise von Vorgängen rund um Konten auf einer Bank in der chinesischen Spieler-Stadt Macao.

Verhindern sollen den Rüstungswettlauf die so genannten Sechser-Gespräche über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm, an denen Süd- und Nordkorea, die USA, China, Japan und Russland teilnehmen. Doch deren letzte Runde ist nun gerade in Peking ergebnislos beendet worden. Grund: Die nordkoreanische Delegation hatte von ihrer Regierung nicht die Genehmigung, über das Atomwaffenprogramm zu reden, solange die USA nicht ihre Finanzsanktionen gegen Pjöngjang aufheben. Und zu diesen gehört das Einfrieren von nordkoreanischen Konten in Macao in Höhe von 24 Millionen Dollar. Washington hat diese Maßnahmen mit dem Verdacht auf Geldfälschung und Geldwäsche begründet.

Die Sanktionen waren Gegenstand einer anderen Arbeitsgruppe der Sechser-Gespräche, denn die Amerikaner wollen das Thema von der Atomfrage strikt trennen. Die Außenministerin Condoleezza Rice pochte erneut darauf, weshalb die Verhandlungen letztlich stecken blieben.

Dabei war Washingtons letztes Angebot an Nordkorea durchaus attraktiv gewesen: Im ersten Schritt sollte eine schriftliche Sicherheitsgarantie gegeben werden, wenn das Land den Betrieb seines Plutonium-Reaktors einstellt und ausländische Inspektionen zulässt. In der zweiten Stufe sollte es eine Liste seiner Atomeinrichtungen anfertigen, um dadurch Inspektionen durch die Internationale Atomenergie-Agentur (IAEA) vorzubereiten - und im Gegenzug Nahrungsmittel- und Wirtschaftshilfen erhalten. In der dritten und vierten Phase sollte Nordkorea sein Atomwaffenprogramm beenden und eine permanente Überwachung aller Nuklearanlagen zulassen.

Essen und Wirtschaftshilfe kann das von einer rücksichtslosen Herrscherkaste heruntergewirtschaftete Land gut gebrauchen. Warum also das Beharren darauf, dass die Konten freigegeben werden? Der Betrag von 24 Millionen Dollar erscheint gering, ist aber für die nordkoreanische Nomenklatura schon eine relevante Menge Geld. Und es ist wahrscheinlich, dass die Führung in Pjöngjang dieses Geld dazu verwenden will, das schöne Leben der herrschenden Klasse zu finanzieren, um das System zu stabilisieren.