Dem Gericht zufolge läuft damit die Frist von 30 Tagen an, in der das Urteil vollstreckt werden muss. Der 69-jährige Saddam war Anfang November wegen eines Massakers an Schiiten vor fast 25 Jahren zum Tode durch den Strang verurteilt worden. Das Sondertribunal warf ihm Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. In einem zweiten Prozess verhandelt das irakische Gericht wegen Völkermords gegen ihn. Auch hier droht ihm die Todesstrafe.

Nach der Bekanntgabe des Todesurteils haben sich Hunderte von Irakern als Henker beworben. Der frühere irakische Machthaber soll innerhalb von 30 Tagen gehängt werden. Ein Berater des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki sagte im US-Fernsehsender ABC, die Interessenten gehörten allen drei großen Religionsgemeinschaften und allen ethnischen Gruppierungen an. Offiziell gebe es keinen Henker, die Regierung habe eine solche Position auch nicht ausgeschrieben, sagte Bassam al-Husseinies laut ABC weiter.

Die Regierung könne den Zeitpunkt für die Exekution Saddams innerhalb der kommenden 30 Tage frei wählen, sagte der Vorsitzende Richter Aref Abdul Rassak al-Schahin am Dienstag. Danach müsse das Urteil vollstreckt werden. Der zweite Prozess könne ohne Saddam fortgesetzt werden. Von Seiten der von Schiiten angeführten Regierung lag zunächst keine Reaktion vor.

Die USA begrüßten die Entscheidung als "wichtigen Meilenstein" für den Irak. Die Bestätigung des Urteils sei ein bedeutender Schritt auf dem Weg, die Herrschaft des Tyrannen durch eine Herrschaft des Rechts abzulösen, erklärte ein Sprecher von US-Präsident George W. Bush. "Saddam Hussein hat einen ordentlichen Prozess und Rechte erhalten, die er dem irakischen Volk für lange Zeit verwehrt hat."

Die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch äußerten sich enttäuscht über die Entscheidung und nannten das Verfahren fehlerhaft. Internationale Juristen kritisieren, dass in der gegenwärtigen Atmosphäre der Gewalt kein faires Verfahren gegen den ehemaligen Machthaber möglich sei. Saddams Verteidiger warnte, eine Vollstreckung des Urteils sei eine Katastrophe für die Region und drohe die Kämpfe zwischen den Religionsgruppen im Irak zu verschärfen.

Vertreter der Sunniten im Irak verurteilten die Urteilsbestätigung als politische Machenschaft der früheren Gegner Saddams, die nun an der Macht seien. "Sie haben aus dem Saddam-Prozess eine Show gemacht", sagte Salim al-Dschiburi von der Islamischen Partei, der größten politischen Vertretung der Sunniten.

Das Gericht bestätigte auch die Todesstrafe für zwei von Saddams Helfershelfern bei dem damaligen Massaker - seinen Halbbruder Barsan al-Tikriti und den ehemaligen Richter Awad al-Bander. Das Gericht empfahl zudem, die Strafe für den ehemaligen Vizepräsidenten Taha Jassin Ramadan zu verschärfen: Er solle ebenfalls hingerichtet werden, und nicht nur lebenslang in Haft. Im zweiten Prozess steht Saddam mit sechs weiteren Angeklagten wegen Giftgasangriffen auf Kurden in den achtziger Jahren vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft des Sondertribunals hatte angekündigt, noch weitere Verfahren gegen ihn vorzubereiten.

Saddam hat einen Tod durch Erschießen verlangt, und damit eine Bestrafung, wie sie einem Armeeoffizier gebühre. Das Gericht hatte sich jedoch in erster Instanz ausdrücklich für eine Hinrichtung durch Erhängen entschieden.

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