Wer ein Restaurant besucht, das mit Michelinsternen und Gault-Millau-Kochmützen ausgezeichnet wurde, kann sich in aller Regel darauf verlassen, dass ihm ein Gourmet-Menü serviert wird. Ähnliche Auszeichnungen gibt es auch für Investmentfonds - allerdings ist hier die Verlässlichkeit weitaus geringer als in der Gastronomie.

Fondsratingagenturen wie Morningstar, Feri Trust oder Standard & Poor's nehmen die Wertentwicklungen von Investmentfonds unter die Lupe und vergleichen sie sowohl mit dem allgemeinen Vergleichsindex als auch mit den Renditen ähnlich gestrickter Konkurrenzprodukte. Ergänzende Gespräche mit Fondsmanagern sowie die Unterteilung in kurz-, mittel- und langfristige Renditevergleiche sollen dem Anleger Orientierung geben, ob er einen gut oder weniger gut gemanagten Fonds kauft.

Auch die Stiftung Warentest veröffentlicht in jeder Ausgabe ihrer Zeitschrift Finanztest umfangreiche Fondsanalysen, anhand derer in jeder wichtigen Anlageklasse die Fonds mit überdurchschnittlicher Wertentwicklung aufgelistet werden. Doch alle Analysten und Sternchenverteiler haben das gleiche Problem: Die Daten beruhen auf der Wertentwicklung der Vergangenheit - und damit stellt sich die Frage, ob sich die Ergebnisse auch tatsächlich in die Zukunft fortschreiben lassen.

Um eine Anlageentscheidung anhand von Fondsratings und Ranglistenplätzen zu rechtfertigen, sollte deren Trefferquote in einem überschaubaren Zeitraum zumindest bei 50 Prozent liegen. Das bedeutet: Wenigstens die Hälfte der heutigen Spitzenfonds sollte sich in drei Jahren noch in der Spitzengruppe befinden. Ob das gelingt, zeigt eine kleine Stichprobe.

Als Basis dienen jene Fonds, die in der Zeitschrift Finanztest in der Kategorie "Aktienfonds Welt" im Januar 2004 als "stark überdurchschnittlich" eingestuft wurden. Der Vergleich mit der Fondsliste in der Januar-Ausgabe 2007 bringt ein ernüchterndes Ergebnis: Nur drei der 29 Fonds, die im Jahr 2004 als "überdurchschnittlich" eingestuft wurden, befanden sich drei Jahre später noch in der Spitzengruppe. Der Rest war im Mittelmaß verschwunden.

Immerhin ergibt dieser Dreijahres-Vergleich noch einige Überschneidungen in der Spitzengruppe. Doch je länger der Vergleichszeitraum ausgedehnt wird, umso mehr nimmt die Aussagekraft von Renditeratings ab. Selbst langfristig erfolgreiche Aktienfonds von einschlägig bekannten Fondsgesellschaften wie Templeton, Fidelity oder DWS hatten schon in der Vergangenheit immer wieder längere Phasen, in denen die Wertentwicklung der Konkurrenz deutlich hinterherhinkte.