Gesundheitsministerin Ulla Schmidt kann an diesem Freitagmorgen wahrlich mit Genuss in den Zeitungen blättern. Denn die meisten Kommentatoren der Republik lassen an ihrem Gegenspieler aus Bayern, Ministerpräsident Edmund Stoiber, und seiner CSU kein gutes Haar. In der Kritik steht dessen anhaltender Widerstand gegen die Gesundheitsreform, obwohl ein neues Gutachten am Donnerstag klargestellt hat, dass die Belastung für die bayerischen Krankenkassen weit geringer ausfällt, als Stoiber befürchtet hatte.

"Wenn Ministerpräsident Edmund Stoiber die Fiktion aufrechterhalten will, dass es ihm wirklich um die Sache geht, sollte er im Krieg der Zahlen jetzt die Kapitulation erklären", verlangt etwa die Financial Times Deutschland . Das Handelsblatt spricht von einer "Riesenblamage". Stoiber sei einem fatalen Rechenfehler aufgesessen, als er im Dezember sein Horrorszenario über die angebliche Mehrbelastung für bayerische Kassen zum Anlass genommen hatte, die gesamte Reform in Frage zu stellen.

Vor allem ein Argument des Wirtschaftsweisen Bert Rürup, der das neue Gutachten erstellt hat, ist in der Öffentlichkeit angekommen: Krankenversicherung funktioniert nun mal nach dem Solidarprinzip. Die Gesunden zahlen mehr als sie zurückbekommen, bei den Kranken ist es umgekehrt. Wäre es anders, könnte sich wohl kaum ein Krebspatient seine teure Therapie leisten. Ebenso zahlen die Reichen mehr als die Armen, auch dies ist eigentlich ein allgemein anerkanntes Prinzip. Doch Bayern scheint sich von diesen grundlegenden Gedanken des Sozialstaates zunehmend verabschieden zu wollen.

"Bayern kämpft für die Reichen", bringt es etwa die tageszeitung auf den Punkt. Denn stärker belastet werde ja nicht – wie man mitunter den Eindruck gewinnen könnte – die bayerische Landeskasse, sondern die vermögenden Versicherten. Von denen gebe es in Bayern eben ein paar mehr als anderswo.

Auch das Handelsblatt rügt: "Im Grundsatz liegen Bayern und die anderen reichen Bundesländer neben der Spur. Die Umverteilung zwischen Arm und Reich und damit auch zwischen ärmeren und reicheren Länder ist geradezu ein Wesensmerkmal der Sozialversicherung." Ganz ähnlich befindet die Süddeutsche : "Gesundheitsversorgung lebt von der Umverteilung, auch wenn viele Unionspolitiker bei diesem Wort den Sozialismus nahen sehen."

Was aber treibt die Bayern und die anderen Länder, wenn sie sachliche Gründe so wenig in Anspruch nehmen können? Der Tagesspiegel meint, es sei der Ehrgeiz, den arg angeschlagenen Stoiber als mächtigen Löwen zu präsentieren. Und fügt ironisch hinzu: "Aber ein Löwe ist nicht nur gut, weil er laut brüllt."