Nach den Misshandlungsvorwürfen des ehemaligen Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz ermittelt die Staatsanwaltschaft Tübingen gegen zwei deutsche Elite-Soldaten (KSK) wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt. Damit ist die drohende Verjährung abgewendet, ein Strafverfahren bleibt möglich.

Kurnaz hatte ausgesagt, einer der Soldaten habe ihn im Januar 2002 in einem US-Gefangenenlager in Afghanistan an den Haaren gepackt und seinen Kopf auf den Boden geschlagen. Zudem sei er getreten worden. Ein zweiter Soldat sei anwesend gewesen.

Die Ermittler hatten dem 24-jährigen Kurnaz am 28. Dezember vergangenen Jahres 48 Fotos von Männern in KSK-Uniform gezeigt, darunter Bilder von 14 Soldaten, die Kontakt zu Kurnaz gehabt haben könnten. Der in Bremen lebende Türke gab an, den Soldaten zu erkennen, der ihn misshandelt habe. Der zweite Beschuldigte hatte zur selben Zeit Wachdienst.

"Die Ermittlungen dauern an", hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte sich in Berlin mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen gegen die beiden weiterhin aktiven Soldaten nicht äußern. "Daher gilt weiter die Unschuldsvermutung", sagte er.

Einfache Körperverletzung verjährt nach fünf Jahren. Die Behörden hatten sich deshalb bemüht, bis Januar Beschuldigte zu ermitteln. Die Staatsanwaltschaft hat nun die Vernehmung der Beschuldigten angeordnet, damit beginnt die Verjährungsfrist erneut.

Kurnaz' Anwalt Bernhard Docke sagte: "Staatsanwaltschaft und Polizei nehmen die Vorwürfe ernst." Zuvor habe es jedoch Versuche aus der Politik gegeben, die Glaubwürdigkeit seines Mandanten zu erschüttern.