Somalia gilt schon lange als trojanisches Pferd der Islamisten am Horn von Afrika und als Zufluchtsort für Mitglieder des Terrornetzwerks al-Qaida. Seit den zwei Attentaten vom August 1998 auf die US-Botschaften in Nairobi in Kenia und der tansanischen Hauptstadt Daressalam, zu denen sich al-Qaida bekannt hat, hat das Land für die USA oberste Priorität im Kampf gegen den Terrorismus.

Wohl auch deshalb haben die USA jetzt zum ersten Mal seit ihrem schmachvollen Rückzug aus dem ostafrikanischen Land 1993 und erstmals seit dem äthiopischen Einmarsch direkt in die Auseinandersetzungen dort eingegriffen. Ein US-Kampfflugzeug beschoss in der Nacht zum Dienstag ein Dorf an der südlichen Grenze zu Kenia, in dem sich ein Anführer der radikal-muslimischen Organisation al-Qaida versteckt haben soll. Bei dem Luftangriff wurde nach Informationen von CNN Fazul Abdullah Mohammed getötet, der auf der amerikanischen Liste meistgesuchten Terroristen stand. Er soll für die Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 verantwortlich gewesen sein, berichtete der Sender unter Berufung auf ungenannte Pentagon-Quellen.

Washington beobachtet mit Sorge, wie al-Qaida in der Region an Einfluss gewinnt. Somalia bietet der Terrororganisation eine gute Basis, da es dort seit vielen Jahren praktisch keine staatlichen Strukturen mehr gibt und das Land in Anarchie und Chaos versunken ist – ein klassischer Failed State , so wie es auch Afghanistan war.

Die Islamisten-Bewegung hatte Somalia im vergangenen Jahr vom Süden aus Stück für Stück aus den Händen der Übergangsregierung erobert und die somalische Hauptstadt Mogadischu zuletzt ein halbes Jahr lang kontrolliert. Das christlich geprägte Äthiopien griff an Weihnachten in die Kämpfe ein, um eine radikal-muslimische Herrschaft im Nachbarland zu verhindern, und konnte die Kontrolle über Mogadischu Ende des Jahres übernehmen. Die Regierung in Addis Abeba ist eng mit den USA verbündet.

Beobachter fürchten jedoch, dass das Eingreifen der Amerikaner die Lage eher noch verschlimmern und einen kontraproduktiven Effekt haben könnte. So warnt die britische Zeitung Guardian: "Es wäre eine Katastrophe, wenn das Land nun zu einem Anziehungspunkt für radikale Anhänger des Dschihad würde, die die Erfahrungen aus dem Irak und Afghanistan wiederholen wollen."

In der Tat ist die Gefahr groß, dass in Somalia ein ähnliches Szenario wie im Irak entsteht. In einer Internetbotschaft am 5. Januar rief die Nummer zwei von al-Qaida, Ayman Al-Zawahiri, dazu auf, Selbstmordattentate und Guerillakämpfe nach irakischem Vorbild zu verüben.