Jedes Jahr lädt sich die CSU nach Wildbad Kreuth auch einen Gast ein, der nicht aus ihren eigenen Reihen stammt. Besonders begehrt sind konservative Hoffnungsträger aus dem Ausland, kann man so doch zeigen, dass man mehr als nur eine Regionalpartei ist. In diesem Jahr hatte man einen besonders großen Fang gemacht: Am Dienstag diskutierte der neue Vorsitzende der britischen Torries und mögliche Nachfolger von Tony Blair, David Cameron, mit den Abgeordneten der CSU-Bundestagsgruppe.

Ministerpräsident Edmund Stoiber wusste den Auftritt des EU-Skeptikers jedoch auch politisch zu nutzen. Mit einem kräftigen Paukenschlag Richtung Berlin distanzierte Stoiber sich am Dienstag von dem bisherigen Entwurf der EU-Verfassung. Eine Ausweitung der Kompetenzen der EU, wie dies ursprünglich vorgesehen gewesen sei, könne es nicht geben, so Stoiber.

Mit diesen Äußerungen könnte Stoiber allerdings neuen Krach in der Union provozieren. Nicht nur, dass der Zeitpunkt äußerst ungünstig gewählt war. Denn zur gleichen Zeit, in der Stoiber seine Einlassungen machte, saß Angela Merkel mit den Mitgliedern der EU-Kommission in Berlin zusammen und versuchte, erste vorsichtige Lösungen für den völlig festgefahrenen Verfassungsprozess auszuloten. Zudem hat die Kanzlerin bisher stets erklärt, ihr gehe es darum, dass der Entwurf ohne wesentliche Abstriche in Kraft trete. Davon, dass auf einzelne Teile verzichtet werden könne, war nicht die Rede. Nach Merkels bisherigen Planungen soll die Verfassung 2009 in Kraft treten.

Noch weiter als Stoiber ging jedoch der Anwärter auf das Amt des britischen Ministerpräsidenten. Cameron bezeichnete den Verfassungsvertrag gleich insgesamt als tot. Stattdessen solle mit den geltenden Regelungen besser gearbeitet werden. Als wesentliche Felder, auf denen die EU aktiv werden müsse, nannte Cameron die Deregulierung der Wirtschaft und den Klimaschutz.