Eine lange Schlange hat sich draußen vor dem Gebäude eingefunden. Die härtesten kampieren die ganze Nacht vor dem Saal. Irgendwann demnächst wird er kommen. Neun Uhr Ortszeit San Francisco soll der allergrößte aller großen IT-Popstars die Bühne im Moscone Center betreten und seine Botschaft unter die Menschheit streuen.

Seine Karriere startete wie die vieler Rock- und Popstars in der elterlichen Garage. Doch statt zur Gitarre griff Jobs zu Computerbauteilen. Heute ist Steve Jobs 51 Jahre alt, in Ehren ergraut. Sein Ruf eilt ihm voraus, wenn er das Wort erhebt, dann lauscht ihm seine Fangemeinde rund um den Globus andächtig. Zum Publikum in der Halle kommen viele Tausende an den angeschlossenen (Apple-)Computern rund um den Globus. Sie warten auf die frohe Botschaft – und natürlich Neues.

Auch vor dem Auftritt in San Francisco brodelt wieder einmal die Gerüchteküche. Es sind nur kleine Dinge, die erwartet werden. Aber die reichen schon für ein aufgeregtes Getuschel unter den wahren Fans . Sicher kein neuer iPod, kein iTunes, kein neues Betriebssystem. Aber zu allem etwas Neues, Kleines. Kinofilme über iTunes vielleicht? Und wie das alles erst präsentiert wird! Schickes Design, nicht zu aufdringlich, mit Auge für die kleinen Dinge. Jobs ist der dazu passende, begnadete Entertainer. Anders als Bill Gates und die meisten anderen IT-Köpfe mit dem Charme eines Diskfloppylaufwerks tritt er seriös, aber unterhaltend auf. „Evangelist“ nennt man solche Charaktere in der IT-Szene, nicht ganz ohne Grund.

Manchen gilt Jobs als der Erfinder des Personalcomputers – anderen als Enfant Terrible, als eitler Selbstdarsteller. Als gesichert gilt, dass die Computerfirma mit dem Apfel ohne Jobs kriselte, als dieser im Streit 1985 ausschied. Erst mit seiner Rückkehr – Apple kaufte seine damalige Firma NeXT – ging es mit der Firma im kalifornischen Cupertino wieder bergauf. Seitdem hat Apple sich komplett gehäutet: Man ließ sich mit Microsoft ein, löste das alte Betriebssystem durch Mac OS X ab und wechselte im vergangenen Jahr zu Intel-Prozessoren. Jobs steht für all das. Der Verkünder der frohen Botschaft profitiert finanziell dabei nicht zu knapp: Sein Jahreseinkommen beträgt zwar formal nur 1 US-Dollar. Doch leistungsabhängige Aktienoptionen machen aus Jobs einen noch reicheren Mann, als er es sowieso schon ist. Neben Apple besitzt er einen ordentlichen Anteil Disney-Aktien: Das US-Magazin Forbes schätzt sein Vermögen auf etwa 3,3 Milliarden Dollar.

Doch all das interessiert die wartende Menge weniger. Wie wird Leopard, die nächste Version des Mac OS, aussehen? Noch bunter? Noch besser? Noch schneller? Steve Jobs wird es ihnen vielleicht verkünden. Vielleicht aber auch nicht: Dann bliebe bis zum nächsten Auftritt in ein paar Wochen zumindest noch etwas mehr Spannung erhalten.

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