Seit Tagen konzentrieren sich Gerüchte auf eine nicht genauer benannte deutsch-amerikanische Investorengruppe, die Teile aus der Insolvenzmasse übernehmen und weiterführen könnte. Sie will angeblich 800 von 1900 Arbeitsplätzen erhalten. Nun berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung , die Investorengruppe fordere unter anderem, im Fall einer Übernahme müsse es ihr gestattet werden, ehemalige BenQ-Mitarbeiter über mehrere Monate kostenlos zu beschäftigen.
Gibt es doch noch Hoffnung? 1900 Mitarbeiter sollen ihren Job verlieren. Nun wird wieder gesprochen BILD

Es geht um solche Mitarbeiter, die schon von BenQ in eine Transfergesellschaft gewechselt sind. Sie erhalten von der Bundesagentur für Arbeit 63 Prozent ihres früheren Nettolohns als Kurzarbeitergeld und dazu weitere Zahlungen von Siemens. Insgesamt kommen diese Mitarbeiter auf 84 Prozent ihres ursprünglichen Einkommens. Womit das erste Problem entseht: Denn wenn die Investorengruppe die Beschäftigten kostenlos einstellte, müssten die Zahlungen der Arbeitsagentur als staatliche Beihilfe gewertet werden, schreibt die WAZ. Das riefe die EU-Kommission auf den Plan. Zudem habe die IG Metall eingewandt, nicht bezahlte Arbeit, etwa als Praktikum, sei für die Beschäftigten der Transfergesellschaft nur sinnvoll, wenn sie dabei weiter qualifiziert würden.

Diese und weitere Fragen will die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen am Montag mit Vertretern der Investorengruppe besprechen. Eingeladen sind auch der Insolvenzverwalter, Arbeitnehmervertreter und Verantwortliche des einstigen Besitzers Siemens. "Ziel ist es, die Eckpunkte des von einer deutsch-amerikanischen Investorengruppe vorgeschlagenen Übernahmemodells und mögliche Unterstützungsmaßnahmen durch die Landesregierung abzuklären", hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. "Wir wollen schnell wissen, ob eine tragfähige Lösung für den insolventen Handyhersteller BenQ Mobile mit den Standorten Kamp-Lintfort und Bocholt möglich ist", sagte Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU).

Ihr bayerischer Kollege Erwin Huber (CSU) erklärte sich zu einer Landesbürgschaft für die Investoren bereit, falls der Standort München weitergeführt werde. "Für die Staatsregierung bleibt es oberstes Ziel, eine tragfähige Lösung für möglichst viele Betriebsteile und Arbeitsplätze bei BenQ Mobile zu finden. Wir sind selbstverständlich bereit, uns an Gesprächen und Verhandlungen zu beteiligen und erforderlichenfalls die Rolle eines Moderators zu übernehmen", sagte Huber.

Offenbar haben die Investoren, die durch den Münchener Anwalt Andreas Kloyer vertreten werden, in Düsseldorf und München um Bürgschaftszusagen gebeten. Ein Sprecher von Kloyers Kanzlei räumte ein, dass es sich bei der erbetenen Hilfe um eine finanzielle Unterstützung handeln soll. Nähere Details zum Angebot und zum Zukunftskonzept könnte es am Montag geben, fügte er hinzu.

Insolvenzverwalter Martin Prager hatte bislang den Vorstoß der Gruppe als "Interessenbekundung" und nicht als konkretes Angebot bezeichnet. Ein Sprecher Pragers kündigte an, dass am kommenden Dienstag der BenQ-Gläubigerausschuss zusammentreffen wird, um über die weitere Verwertung der Insolvenzmasse zu beraten. Grundsätzlich sei der Insolvenzverwalter offen für alle ernsthaften Investoren. Nach einem Zeitungsbericht ist ein zweiter Interessent aufgetaucht. Ein von einem in den USA lebenden Deutschen geführtes Konsortium habe ernsthaftes Interesse signalisiert, berichtete die Welt am Samstag.