Jetzt ist das neue Jahr also da. Das alte Jahr ist längst abgehakt, die guten Vorsätze sind gemacht. Für diese Kolumne lautet einer: die Finanzmärkte nicht immer so pessimistisch einschätzen.

Vorsätze gehören zum Jahreswechsel wie Neujahrsböller. Die besonders effektiven Kracher sind die Kanonenschläge, die aussehen wie kleine Dynamitstangen. Man zündet sie an, wirft sie weg, die Zündschnur brennt ab - und dann passiert erst einmal gar nichts. Erst nach zwei, drei Sekunden, wenn man schon glaubt, das war eine Fehlzündung, fliegt der Böller mit einem ohrenbetäubenden Krach in die Luft.

Was hat das mit den Finanzmärkten zu tun? Sehr viel. Gleich zu Beginn des Jahres sind nämlich einige Böller an den Finanzmärkten hochgegangen, deren Sprengwirkung noch gar nicht richtig zu erkennen ist. Von Jahresanfangsrallye keine Spur. Die europäischen Aktien sind leicht im Minus, die US-Aktien deutlich stärker. Die Kurse der Rentenpapiere sind ebenfalls gefallen. Somit sind die Renditen angestiegen. Der größte Knaller ging aber an den Rohstoffmärkten los. Die Preise für Rohöl sind innerhalb von zwei Tagen um neun Prozent eingebrochen!

Das besonders verheerende an diesen Kursentwicklungen ist der Umstand, dass dies alles in der ersten Handelswoche des Jahres geschah. Institutionelle Investoren arbeiten in der Regel mit so genannten Risikobudgets. Dabei wird den Händlern ein gewisses Verlustpotenzial zugewiesen, das mit ihren Handelsaktivitäten auflaufen darf. Sobald die Verluste entsprechend groß geworden sind (häufig sogar schon davor), müssen die Positionen und damit das Risiko verringert werden.

Verluste können locker weggesteckt werden, wenn man von zuvor gemachten Gewinnen zehren kann. Die sind aber aus bilanztechnischen Gründen am Jahresanfang noch gar nicht vorhanden, weshalb Verluste in den ersten Handelstagen besonders weh tun.