Applaus für den Trainer hat es in Dortmund lange Zeit nicht gegeben. Jürgen Röber sind dabei die zufriedenen Lachfalten trotz des tief ins Gesicht gezogenen Basecaps gut anzusehen. Für westfälische Verhältnisse verbreiten die 500 Besucher des ersten BVB-Trainings im neuen Jahr eine Zustimmung, die sich - kulturelle Unterschiede berücksichtigt - fast mit den kölnischen Ausbrüchen zur Begrüßung von Christoph Daum vergleichen lassen.

"Den Marwijk hätten se vorm halben Jahr schon nach Holland zurück schicken solln", sagt einer der Kiebitze am Trainingsplatz im Nieselregen über Röbers Vorgänger. Und eine ältere Frau sieht dank Röber "endlich wieder Licht am Ende des Tunnels". Fußball ist grausam. Aber wie es aussieht, gefällt dem Borussenanhang das Weihnachtsgeschenk von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Und hier und heute wird der Röber also ausgepackt.

Diejenigen, die immer hier sind, sagen, dass noch nie so viele Leute auf dem neuen Trainingsgelände waren, das vor eineinhalb Jahren auf einer alten Militärbrache in Betrieb genommen wurde. Und das, obwohl der eigentliche Wunschtrainer 100 Kilometer weiter östlich seine Bielefelder Arminen auf die Rückrunde vorbereitet: Thomas von Heesen hat die lautstarke Balz von Hans-Joachim Watzke bis heute nicht erwidert - und es scheint so, als wolle der Manager sein Werben einstellen, zumindest vorübergehend. Denn aus dem auf ein halbes Jahr befristeten Vertrag für Röber will er noch lange keine Übergangslösung erkennen, "auch wenn jemand dieses Bonbon permanent weiter lutschen möchte".

Zuschauer Wolfgang S. will das nicht. Der pensionierte Postbote ist immer hier: "Lass den da ma machen", sagt er und zeigt auf den Mann mit dem Basecap, "wichtich is, dass der den Jungs ersma Beine macht, damit se wieda fit werden". Röbers Vorgänger Bert van Marwijk stand zuletzt im Ruf, das Training stark vernachlässigt zu haben. So stellt Watzke bei den Fragen nach dem Neuen auch immer wieder darauf ab, "dass er eine Mannschaft körperlich nach vorne bringen kann". Vor allem geht es Watzke aber um "einen gewissen Offensivfußball", für den Röber stehe. In den Lokalenzeitungen taucht immer wieder der Name "Klinsmann" auf. Ein bemühter Vergleich, der mit Wörtern wie "Aerobic" und "Mentaltrainer" gefüttert wird.

Den ersten Aufgalopp vor Publikum leitet unterdessen Co-Trainer Bernd Storck, während der Mützenmann Röber mit ein paar seiner neuen Fans frotzelt. "Ja nee, is klar", sagt einer, der behauptet, dass "der unsere Sprache hier versteht, schließlich war sein Vatta Berchmann in Herten, is ja nich weit". Auf einmal also ist die Ballspielende Aktiengesellschaft wieder ein Arbeiterverein und Jürgen Röber, der gerne schicke Anzüge trägt, ein Arbeiterkind und ein westfälischer Robert Redford. Immerhin: Die BVB-Aktie ist vor dessen Auftritt am Donnerstag um fast ein halbes Prozent gestiegen.