War 2006 ein guter Jahrgang? Was ist aus den hochgejubelten Überfliegern wie den Arctic Monkeys, Clap Your Hands Say Yeah und anderen geworden? Hat man sie längst vergessen, klingen ihre Melodien nach, oder sind sie gar noch gut für 2007?

In den Dezember- und Januarausgaben pflegt die Musikpresse zurückzublicken. Die wichtigsten, besten oder sonst wie auffälligsten Musikanten werden gekürt. Die Rubriken: Platte, Single, Hoffnungen und Enttäuschungen des Jahres.

Enttäuschungen gab es viele. Die Anfang 2006 noch von Blog zu Blog geraunte Kunde von Clap Your Hands Say Yeah verhallte bald. Dabei hat die Band um den Sänger Alec Ounsworth gerade ihr zweites Album eingespielt. Ende Januar 2007 wird es veröffentlicht. Das Debütwerk findet sich im Mittelfeld mehrerer Jahreslisten: Beim englischen New Musical Express und der deutschen Spex auf Platz 27, bei Intro auf Platz 14 und bei Les Inrockuptibles auf Platz 17. Der Musikexpress und die revue pop moderne Magic erwähnen die New Yorker Gruppe nicht.

Fast überall sehr weit vorn zu finden: Hot Chip (Platte des Jahres in Spex und Intro , Platz 5 im Musikexpress , Platz 4 im NME ), TV On The Radio ( Spex und Les Inrockuptibles Platz 2, Musikexpress Platz 4) und die Arctic Monkeys (Plattes des Jahres in Les Inrockuptibles und im NME , Platz 2 im Musikexpress ).

In den deutschen Publikationen reiht sich noch Kante ein. Der Musikexpress lobt ihr Album Die Tiere sind unruhig als Platte des Jahres (Platz 2 in Intro , Platz 9 in Spex ). Sie werfe einen mit melodischer Wucht, Leidenschaft und Schwermut immer wieder um, schreibt der Musikexpress und fügt an: "Nur echte Lieblingsplatten können so was."

Solche Lieblingsplatten lassen sich vor allem bei Geheimtipps finden. Im musikalischen Einerlei der Jahreslisten sind es doch die abwegigeren Momente, die Interesse wecken. Die französischen Les Inrockuptibles entdecken eine hierzulande unbekannte deutsche Folk-Sängerin und geraten ins Schwärmen: Platz 8 für Sibylle Baier, die in den frühen Siebzigern ein Album mit englischsprachigen Stücken zur akustischen Gitarre eingespielt hat und dann von der musikalischen Bühne verschwand. Sie widmete sich ihrer Familie in Amerika und spielte noch bei Wim Wenders' Alice in den Städten mit. Die melancholischen Weisen ihres Albums Colour Green , veröffentlicht beim kleinen Label Orange Twin , haben die Zeit überdauert. Ihr Sohn brachte die Kostbarkeit ans Licht. Es sei ihm gedankt.