Die nächsten Pro-7-Sternchen stehen in den Startlöchern, das Mix-Album der Beatles lag tausendfach unter den Weihnachtsbäumen. So unterschiedlich diese Musiker auch sein mögen, etwas haben sie gemein: Ihre Musik ist nicht wirklich neu.

Über mehrere Monate hinweg hat man nun vor den Augen des Fernsehzuschauers die Mädchengruppe Monrose gekürt. Die Kandidatinnen sind ihm ans Herz gewachsen, und es war zum Schluss eigentlich unwichtig, welche drei der sechs Teilnehmerinnen in der Finalrunde definitiv ausgewählt wurden. Im Gegenteil, es war eher ein Abschied von denen, die vorzeitig gehen mussten, bevor die erste Single erscheint. Und so war auch ihr erster Hit dem Publikum schon bestens bekannt. Er wurde ja auch immer wieder präsentiert, am Abend der Abschlussveranstaltung allein vier Mal.

Love, das rechtzeitig zum Fest veröffentlichte State-Of-The-Art-Medley der Beatles, ist mehr als nur ein letztes Aufbäumen des eigentlich längst verblichenen Bastard Pop . Es zeigt einem breiten Publikum, wie dieselbe Musik mehrmals zu verwerten ist.

Beide Phänomene appellieren an die Bequemlichkeit des Hörers und loten gleichzeitig die untere Grenze dessen aus, was an Unbekanntem und Überraschendem mindestens nötig ist, um seine Aufmerksamkeit zu wecken. Diese Methode ist nicht neu. Seit es Musik gibt, wird Bekanntes wiederverwendet und weiterentwickelt. Letzthin drängt sich jedoch der Verdacht auf, man versuche vor allem durch gezielten Verzicht auf Neues gute Quoten auf dem Musikmarkt zu erreichen. Spiegelt sich darin nicht die Krise der Musikindustrie?

Schon vor einigen Jahren führte das Genre des Bastard Pop den Umgang mit Samples, wie er in Hip Hop und Elektro stattfindet, ad absurdum. Man verzichtete einfach auf die hinzugefügten Beats und Raps und verkürzte die musikalische Wirkung auf das Hervorrufen von Erinnerungen. So wirkte diese Musik trotz aller Verblüffung immer eigentümlich statisch und nur bedingt entwicklungsfähig.

Es folgte die Welle der Retro-Bands. Von den Strokes über Kings Of Leon zu Franz Ferdinand oder Mando Diao hat diese immer noch aktuelle Strömung eine vollkommen andere Qualität als frühere Revivals. In den achtziger und neunziger Jahren standen jeweils bestimmte zeitlich oder stilistisch begrenzte Bereiche der Pop-Vergangenheit im Fokus – man denke beispielsweise an Shakin’ Stevens und Stray Cats im Blick auf die Fünfziger und Rock ’n’ Roll oder an Style Council/Paul Weller und den Brand New Heavies für die Sechziger und Soul.