Nur wenige schaffen es wie Henning Scherf: Nach zehn Jahren als Bremer Bürgermeister trat der Sozialdemokrat Ende 2005 ohne große Vorankündigung zurück, bevor andere den Eindruck bekamen, es sei nun genug. Er ging in allen Ehren und mit viel Applaus in den Ruhestand.

Vielen politischen Regenten ergeht es dagegen wie Edmund Stoiber: Sie halten sich für unersetzbar und klammern sich an ihr Amt, auch wenn sie ihren Zenit längst überschritten haben. Die Angst vor dem Loslassen lässt sie am Ende meist als jämmerliche Gestalt von der politischen Bühne abtreten.

Die Beispiele eines geglückten Amtswechsels sind rar. Viel häufiger erlebt das Publikum ein Drama wie derzeit in Bayern, wo die eigene Truppe immer lauter über den störrischen Landesherrn murrt, bis der sich am Ende genötigt sieht, zumindest ein Datum für seinen Abschied zu nennen. Und damit genau das zu werden, was er um jeden Preis vermeiden wollte: eine lame duck , eine lahme Ente.

Dabei gilt so etwas wie ein politisches Gesetz: In der zweiten (spätestens der dritten) Amtsperiode beginnt für die allermeisten Regierungschefs der Abstieg. Verschleißerscheinungen machen sich bemerkbar, die Fehler häufen sich, Wähler, Medien, Abgeordnete und die eigene Partei wenden sich ab, die Macht erodiert. So war es im Fall Gerhard Schröder, der sein Heil am Ende in (verlorenen) Neuwahlen suchte; so erlebt es Großbritannien mit Tony Blair. Und so war es im Grunde auch schon mit Helmut Kohl, den 1989 das Glück der Wiedervereinigung rettete.

Selbst Edmund Stoiber, der seit fast 14 Jahren in Bayern regiert und aufgrund der politischen Sondersituation im Freistaat lange fast wie ein Sonnenkönig herrschen konnte, kann sich dem Gesetz des Verfalls nicht entziehen. Seinen Abschied kann er vielleicht noch hinauszögern. Aber das macht es nicht besser.

Dabei stehen diejenigen, die rechtzeitig aufzuhören vermochten, im Rückblick in aller Regel weit besser dar als diejenigen, die am Ende aus dem Amt gedrängt werden mussten. So wird Willy Brandt von vielen bis heute verehrt, obwohl er 1974 über eine Spionage-Affäre stolperte und er schon damals als verschlissen galt. Durch seinen - für manche damals überraschenden - Rücktritt rettete er sein Bild als großer Kanzler und bewahrte sich vor einem schmählichen Ende.