Eines kann man George Bush nicht absprechen. Er hält an seinen Überzeugungen fest. Es kümmert ihn nicht, allein auf weiter Flur dazustehen mit seinem Entschluss, im Irak noch einmal auf militärische Stärke zu setzen und sich der Counter Insurgency -Strategie anzuvertrauen, die der Akademiker Frederick Kagan in einem umfänglichen Papier ausgearbeitet hat.

Bush lässt sich auch nicht durch äußerst widrige Umstände vom Kurs abbringen. Dem Autoren Bob Woodward vertraute er einmal an, dass er sich nicht zum vorzeitigen Rückzug aus dem Irak bewegen lassen werde, selbst wenn nur noch Ehefrau Laura und sein Hund zu ihm stünden.

Ganz so weit ist es noch nicht. Aber der Widerstand im Kongress wächst, der Chor seiner Kritiker ist massiv angeschwollen und umfasst mittlerweile auch prominente Mitglieder der Republikaner. Die Zahl seiner Verbündeten ist dagegen zu einem kleinen Häuflein zusammengeschmolzen. Man darf getrost davon ausgehen, dass auch Tony Blair zu dieser rar gewordenen Spezies zählt.

London hatte von Beginn an stets nur begrenzten Einfluss auf die amerikanische Irakstrategie. Aber der Schwanz wedelt nun mal nicht mit dem Hund. Die Briten sind der Juniorpartner. Von Kritikern der Politik Blairs wird dies verkündet, als handele es sich um eine ungeheure Offenbarung. Dabei ist es eine blanke Selbstverständlichkeit. Keine Nation stünde im Verhältnis zur einzigen Supermacht der Erde anders da. Großbritannien besitzt auf Grund der Special Relationship einzig access , privilegierten Zugang, zum Weißen Haus. Die Frage kann nur lauten, ob Blair aus dem Zugang zum Präsidenten etwas gemacht hat oder nicht.

Er kann durchaus Resultate vorweisen. Clinton konnte er davon überzeugen, in Kosovo zu intervenieren. Bush rang er das Zugeständnis ab, als erster amerikanischer Präsident eine Zwei-Staaten-Lösung für den Konflikt zwischen Palästina und Israel zu favorisieren und der (inzwischen obsoleten)- roadmap für den Friedensprozess im Nahen Osten zuzustimmen. Schließlich war es Blair, der den Präsidenten dazu brachte, vor dem Irakkrieg zunächst den Weg über die UN zu wählen.

Wer das Hauptgewicht einer militärischen Operation trägt, lässt sich selten reinreden. Britische Politiker und Diplomaten haben sich angesichts amerikanischer Entscheidungen im Irak oft genug die Haare gerauft. Nach außen hat Blair stets solidarische Miene zum unguten Spiel gemacht und konsequent darauf verzichtet, auch nur einen Hauch von Widerspruch öffentlich anklingen zu lassen.

Das hatte hinter verschlossenen Türen zu geschehen. Blairs Verzicht, die antiamerikanischen Reflexe in seiner eigenen Partei, in den Medien und unter den Wählern zu bedienen, hat ihm das Leben zweifelos schwerer gemacht. Die letzten Monate seiner Amtszeit wird er dem geballten Zorn seiner Kritiker ausgesetzt sein.