Gregor Gysi weilt dieser Tage in Ecuador. Anlässlich der Amtseinführung des neu gewählten Präsidenten des Landes, Rafael Correa, führt er politische Gespräche. Der Durchmarsch linker Populisten in den Wahlen der vergangenen Monate ist historisch ohne Vorbild, und so kommt es in Quito zu einem Gipfeltreffen der besonderen Art. Bei dieser Gelegenheit trifft sich der Vorsitzende der Linkspartei-Fraktion im Bundestag mit Venezuelas Präsidenten Hugo Chávez, mit dessen bolivianischen Amtskollegen Evo Morales sowie der chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet zum Gedankenaustausch. Das gefällt dem Kleinen aus Berlin, mit den großen Volkstribunen der Welt über den Sozialismus im 21. Jahrhundert zu plaudern.

Daheim ist der Sozialismus derzeit nicht so sehr gefragt. Nicht unter den Wählern und noch nicht einmal mehr in den eigenen Reihen. Trotzdem will auch Gregor Gysi in diesem Jahr die Geschichte vorantreiben. Als Gründervater einer neuen Linken in Deutschland. Alles scheint gerichtet für die Fusion von Linkspartei.PDS und WASG, die programmatischen Eckpunkte sind vereinbart, der Zeitplan steht. Im Mai soll die Basis in einer Urabstimmung über das Projekt befinden, der Vereinigungsparteitag steigt Mitte Juni in Berlin. "Brüder, in eins nun die Hände", und alle Konflikte wurden vertagt, die Fusion hat Priorität.

Doch die Kritiker verstummen nicht, und einige sehen bereits die politische Substanz der Fusion in Gefahr. Die Konflikte schwelen weiter, zwischen PDS und WASG, zwischen Ost und West, zwischen Pragmatikern und Fundis. Von SED-Stallgeruch ist da die Rede und von Sektierern, von Opportunismus und Populismus, von unfinanzierbaren Versprechen und von neoliberaler Politik. Eingeklemmt zwischen Populismus und Fundamentalismus sehen vor allem die ostdeutschen Pragmatiker in der Linkspartei.PDS ihren Einfluss schwinden.

Dreieinhalb Stunden diskutierte die Bundestagsfraktion der Linkspartei auf ihrer Klausurtagung vergangene Woche allein über das rot-rote Bündnis in Berlin und die Frage, ob die Linkspartei mitregieren darf. Anstatt der einzigen Landesregierung mit Regierungsbeteiligung der Linkspartei den Rücken zu stärken, wird dieser immer wieder das Leben schwer gemacht. Vielen Bundestagsabgeordneten ist die Regierungszusammenarbeit in der Hauptstadt suspekt, sie kritisieren den "puren Pragmatismus" ihrer Berliner Genossen und stellen sie unter neoliberalen Generalverdacht.