Was hat das Wetter mit der Börse zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel: Börsianern ist es, zumindest beruflich, meist gleichgültig, ob es regnet oder ob die Sonne scheint. Hauptsache, die Kurse steigen. Allerdings gewinnt das Wetter Einfluss auf die Kurse, wenn sich die Folgen der Witterung in den Unternehmensgewinnen niederschlagen. Das ist jedoch erst der Fall, wenn Stürme, Überschwemmungen oder Dürreperioden große Schäden verursachen.

In diesem Jahr könnte dies passieren, warnen Klimaforscher der britischen Universität East Anglia. Das Jahr 2007 könnte das weltweit wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden und den Temperaturrekord des Jahres 1998 übertreffen. Schuld daran sei nicht nur die allgemeine Klimaerwärmung, sondern auch das El-Niño-Wetterphänomen, das in diesem Jahr besonders stark ausgeprägt sein könne.

Der spanische Begriff bedeutet so viel wie "Christkind" und kennzeichnet das Auftauchen einer starken Warmwasserströmung im Pazifik, die oft in den Wochen vor oder nach Weihnachten auftritt (daher der Name). Dabei verteilt El Niño "Geschenke", die kaum jemand haben möchte: extreme Dürre in Mittel- und Nordamerika, Überschwemmungen in Ostasien und andere Wetterkapriolen auf der ganzen Welt.

Schwellenländer-Aktienfans, die vorrangig in den trendigen Staaten Brasilien, Russland, Indien und China investiert sind, sollten sich wappnen. Die Ereignisse des El-Niño-Jahres 1998 haben gezeigt, dass insbesondere China mit schweren Überschwemmungen und Brasilien mit einer Dürre zu den Risikogebieten des Wetterphänomens zählten und zählen. Wenn in diesen aufstrebenden Volkswirtschaften große Schäden durch extreme Witterung zu verzeichnen sind, kann dies der dortigen Wirtschaft schwere Dämpfer versetzen.

Die Auswirkungen von großen Wetterkatastrophen können indes auch die Aktienmärkte der Industriestaaten beeinflussen. So zog der Hurrikan "Katrina", der im Jahr 2005 New Orleans unter Wasser setzte, einige Unternehmen in Mitleidenschaft. Wegen großer Raffinerieausfälle stieg der Ölpreis auf über 70 Dollar pro Barrel, Versicherer wie Allianz oder Hannover Rück erlitten durch die Schadensbelastung Gewinnausfälle, und selbst bei Konsumartikelproduzenten wie Avon hinterließ der Hurrikan Spuren in der Bilanz.

Sollte El Niño zuschlagen, könnten sich so manche börsennotierte Unternehmen in der Gefahrenzone befinden. Die Bandbreite reicht dabei von Versicherern und Rückversicherern über Industriekonzerne mit direkt betroffenen Produktionsstätten bis hin zu Energieversorgen, die aufgrund exzessiver Klimaanlagennutzung in einem extrem heißen Sommer womöglich mit Überlastungs- und Imageproblemen konfrontiert werden.