Die Lieferungen nach Polen und in die Bundesrepublik seien wieder aufgenommen worden, teilte der weißrussische Betreiber der Pipeline "Druschba" in der Nacht zum Donnerstag mit. Zuvor hatte Russland erklärt, der Streit mit dem Nachbarn Weißrussland sei beigelegt. Weißrussland verzichtet nach eigenen Angaben auf die umstrittenen Öltransitzölle und ebnete damit den Weg für die Einigung. Durch die Leitung fließt rund ein Fünftel des in Deutschland benötigten Erdöls.

Nach weißrussischen Angaben fließt seit der Nacht zum Donnerstag auch wieder Öl in Richtung Tschechien, Ungarn, Ukraine und Slowakei. Details des erzielten Kompromisses sollen in den kommenden zwei Tagen geklärt werden. Weißrussland hatte vergangene Woche Transitgebühren für russische Ölexporte verlangt. Es rechtfertigte dies mit Russlands Ankündigung, ab diesem Jahr Zölle auf Rohölexporte nach Weißrussland zu erheben. Russland äußerte sich zunächst nicht zu Einzelheiten einer Übereinkunft.

Das Büro des weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko hatte am Mittwoch mitgeteilt, Lukaschenko habe in einem Telefonat mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin einen Kompromiss erzielt. Der russische Vertreter bei der EU, Wladimir Tschischow, sagte nach einem Treffen mit EU-Energiekommissar Andris Piebalgs in Brüssel, Weißrussland habe auch das umstrittene Öl wieder zurückgegeben. Dabei geht es offenbar um 80.000 Tonnen Öl, die Weißrussland illegal aus der Pipeline entnommen haben soll.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte die überraschende Unterbrechung von Öllieferungen aus Russland zuvor wiederum als nicht akzeptabel kritisiert. Die Kommission werde sicherstellen, dass sich so etwas nicht wiederhole. Der Chef der internationalen Energieagentur IEA, Claude Mandil, sagte, der Öllieferstopp habe das Vertrauen in den zweitgrößten Erdölexporteur der Welt als verlässlicher Energie-Lieferant erschüttert.

Am Montag hatte Russland die Ölleitung durch Weißrussland geschlossen und damit auch die Versorgung mehrerer europäischer Länder, darunter Deutschland, beeinträchtigt. Der russische Leitungsbetreiber Transneft begründete den Lieferstopp damit, dass Weißrussland illegal Öl abgezapft habe. Die Regierung in Minsk hatte dies bestritten.

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