Der Dienstag könnte für den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zum Schicksalstag werden. In Wildbad Kreuth muss er sich der Auseinandersetzung mit der 124-köpfigen Landtagsfraktion stellen. Wie brenzlig die Situation für Stoiber mittlerweile geworden ist, ließ sich am Vormittag vor allem an Äußerungen von Fraktionschef Joachim Herrmann ablesen. Mit seiner Aussage, er wolle, müsse aber bei der Landtagswahl 2008 nicht antreten, habe Stoiber "die Tür einen Spalt breit aufgemacht", sagte Herrmann. Er habe keinen Grund anzunehmen, "dass sie auch wieder zufallen könne". Zudem deutete er an, dass die Partei sich eine Entscheidung vor dem nächsten Parteitag wünsche. Dies wurde als indirekte Aufforderung an Stoiber gewertet, sich genauer zu einem möglichen Rückzug zu äußern. Unter den ankommenden Abgeordneten schien die Stimmung ebenfalls eher gegen Stoiber zu sprechen.

Für alle Außenstehenden geht nun erst mal die lange Wartepartie weiter. Derzeit diskutieren die Abgeordneten hinter verschlossenen Türen über das weitere Vorgehen. Dem Vernehmen nach liegen über 50 Wortmeldungen vor. Es wird erwartet, dass die Sitzung bis in die Nacht andauert. Ansonsten dringt am Nachmittag zunächst nur nach draußen, dass Stoiber eine sehr emotionale Rede gehalten habe. Und es zeichnet sich eine Lagerbildung ab. Eine starke Gruppe drängt den Parteichef zum raschen Rückzug, die andere spielt wie Stoiber auf Zeit plädiert für eine Entscheidung erst beim Parteitag im Herbst.

Bereits im Gespräch mit dem Fraktionsvorstand am Montag war es Stoiber nicht gelungen, die Abgeordneten wieder geschlossen hinter sich zu bekommen.

"Aus meiner Sicht war eine Mehrheit dafür, dass wir 2008 eine andere Lösung brauchen", beschrieb ein Abgeordneter die Aussprache mit dem Fraktionsvorstand vom Montag. Bis tief in die Nacht hinein war über die Situation der Partei diskutiert worden. Dabei hatte Stoiber zwar durchaus auch Unterstützung gefunden, doch wurde eben auch viel Kritik geäußert.