Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hat erstmals einen Verzicht auf die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2008 angedeutet. Er wolle wieder antreten, müsse aber nicht, sagte der CSU-Vorsitzende am Montagabend nach Teilnehmerangaben bei einem Krisengespräch mit dem erweiterten Vorstand der Landtagsfraktion in Kreuth.

Über die Nominierung solle ein Parteitag im Herbst entscheiden, sagte Stoiber den Angaben zufolge. Demnach wünschte sich Stoiber, dass die Delegierten geschlossen in den Parteitag "hinein- und auch wieder hinausgehen". Wenn nicht mehr er antrete, dann solle der Parteitag geschlossen einen neuen Kandidaten küren. Der Parteitag soll vom Spät- auf den Frühherbst vorgezogen werden.

Die Führung der bayerischen CSU-Landtagsfraktion stellte sich am Montagabend erneut hinter Stoiber. "Die Fraktion steht zu unserem Ministerpräsidenten", sagte ihr Vorsitzender Joachim Herrmann. Die Aussprache des Fraktionsvorstandes mit Stoiber sei "eine gute, sachliche, faire Diskussion in angenehmer Atmosphäre" gewesen. Die Gespräche dürften vermutlich noch bis tief in den Abend gehen.

Auch andere Mitglieder des Vorstands sprachen von einer "regen Diskussion". Im Zentrum habe aber weder die Spitzenkandidatur noch die Diskussion über mögliche Nachfolger gestanden. Statt dessen seien sehr unterschiedliche Einschätzungen über die Lage der Partei geäußert worden, sagte ein Vorstandsmitglied ZEIT online. Während einige die gute Sacharbeit und die großen Verdienste Stoibers hervorgehoben hätten, hätten andere die  Stimmung eher mit der Lage der Partei im November 2005 verglichen. Damals hatte Stoiber überraschend darauf verzichtet, das Amt des Wirtschaftsministers in Berlin anzunehmen und hatte die Partei damit in eine Krise gestürzt. Noch sei schwer einzuschätzen, welches Lager sich am Ende durchsetzen werde.

Vor Beginn der Klausurtagung hatten Abgeordnete dagegen gesagt, wenn Edmund Stoiber nach all den Querelen erneut als Spitzenkandidat in die Landtagswahlen ziehe, sei dies der Basis nicht vermittelbar. Die CSU-Abgeordnete Christa Matschl sprach sich dafür aus, dass Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) neuer Ministerpräsident wird. Das Amt des CSU-Vorsitzenden solle jemand übernehmen, der "der Partei das Herz zurückgeben kann und die Menschlichkeit".

CSU-Vizechefin Barbara Stamm mahnte, es dürfe keine "Spaltung in der Fraktion" und keine "erneuten Gräben" geben. Notwendig sei eine rasche Lösung. Dies müsse auch möglich sein, "wenn viele kreativ und gutwillig denken und auch entsprechend handeln".