In der Nacht hatte die CSU-Landtagsfraktion nach einer zehnstündigen Marathondiskussion mit Stoiber die Frage der Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2008 bewusst offen gelassen. Die Frage müsse "in den nächsten Wochen" geklärt werden, sagte ein Kabinettsmitglied der Deutschen Presse-Agentur. "Das muss schnell gehen."

Landtagsfraktionschef Joachim Hermann machte am Mittwoch ebenfalls deutlich, dass die Machtfrage schon vor dem auf September vorgezogenen Parteitag geklärt werden soll. "Wir wollen hier keine Kampfabstimmungen, sondern wir wollen möglichst gemeinsam im Einvernehmen eine Lösung für das Jahr 2008 erreichen", sagte er im ZDF. Darüber werde man "in aller Ruhe, aber schon auch zügig sprechen".

Die Fraktion hatte Stoiber in der Nacht ohne Abstimmung per Applaus das Vertrauen ausgesprochen. Der Beschluss blieb jedoch weit hinter der Solidaritätserklärung des CSU-Präsidiums zurück. Die Parteispitze hatte Anfang vergangener Woche noch betont, man wolle die Arbeit mit Stoiber über 2008 hinaus fortsetzen - davon ist inzwischen in der Partei und Fraktion kaum mehr die Rede.

Es gebe keinen Zeitplan, auch keine versteckten Bedingungen an die Adresse Stoibers, betonte Landtagspräsident Glück. Dennoch kann der Beschluss der Fraktion nur als Brücke zum Abgang verstanden werden - und als Aufforderung an Stoiber, diese Brücke auch zu beschreiten.

Die Spitze der Landtags-CSU hatte Stoiber vor der Aussprache zu einem schnellen Rückzug gedrängt. Der unter immensem Druck stehende Ministerpräsident wertete die Erklärung der Fraktion in der Nacht indes uneinsichtig als "absolute Rückendeckung" für seine Politik.

Glück sagte am Mittwoch, die Frage der Spitzenkandidatur sei "ergebnisoffen". "Das ist ein großer Schritt, da bin ich ihm sehr dankbar dafür", betonte der Landtagspräsident. Der Beschluss sei wichtig und wertvoll, weil er die Einheit und die Handlungsfähigkeit der CSU erhalte. "Für mich ist das wichtigste Ergebnis: Es ist nicht zu Brüchen und Verwerfungen gekommen." Stoiber habe noch eine große Anhängerschaft in der Partei.