Im Jahr 1991 gründete der Elektroinstallateur Wolfgang Petters im bayerischen Landsberg die Plattenfirma Hausmusik. Ohne Vorwissen nahm er mit Freunden eine Platte auf, die Hausmusik-Kompilation. Er ließ sie eintausend Mal pressen, bastelte eintausend Plattenhüllen in Hausform und schaffte es tatsächlich, alle loszuwerden. Seine fixe Idee setzte sich durch. Heute ist der Name Hausmusik im Independent-Bereich ein Begriff, als kleine Plattenfirma, als Plattenladen, als Mailorder und als wichtiger Vertrieb. Wir wollten einmal wissen, wie so etwas – immer noch – geht.

Ja, wie fing das alles an?
Ich wollte eine Platte machen. Ich wollte aber niemanden fragen, ob er sie veröffentlicht. 1991 gab es kaum kleine Labels, es war viel einfacher, so was selber zu machen. Ich habe ein paar Freunde aus Landsberg und Weilheim gefragt, ob sie mitmachen wollen.

Die Labelgründung war also Selbstzweck?
Ja. Das war eigentlich ein reines Ego-Ding. Ich hatte keine Ahnung, wie schwer es ist, tausend Platten zu verkaufen. Man hat ja keine tausend Freunde und hatten auch keinen Vertrieb. Also bin ich in die Läden gegangen und habe sie angeboten, Notwist haben sie mit auf ihre Tour genommen. Und so haben wir tausend Platten verkauft. Ein unbekanntes Label, unbekannte Gruppen, so etwas könnte man heute nicht mehr machen. Heute kann jeder beinahe alles selber machen, deswegen nimmt kein Händler mehr Platten, die ihm an der Theke angeboten werden.

Haben Sie das nur organisiert oder damals auch selbst Musik gemacht?
Ich habe auch eine Band gehabt, das Fred-Stocker-Quartett. Wir haben mit vier Gitarren, zwei Schlagzeugen und Bass im Wechslerhof in Landsberg geprobt. Das war eine sehr schöne Zeit, aber so was kann man nicht auf Dauer aufrecht erhalten. Man kann sich nicht über Jahre hinweg jeden Samstag im gleichen Proberaum treffen, die gleichen Lieder spielen und sie immer wieder toll finden. Irgendwann wird es öde. Und bevor es öde wurde, kam die Sache mit dem Label.

Woher kam der Antrieb, Langeweile in der Provinz?
Der Ort spielt schon eine Rolle, aber mit Langeweile hatte das alles nichts zu tun. Ich fand es meist spannender, am Ammeersee zu grillen, als im sechzig Kilometer entfernten München im Club abzuhängen. Zu Konzerten musste man elend weit fahren oder selbst was organisieren. Also haben wir vieles auf die Beine gestellt. Wir haben die sogenannten Hausmusik-Konzerte gemacht. Wir sind in einem Pulk von zwanzig Leuten irgendwo hingefahren und haben in wechselnden Formationen den ganzen Abend gespielt. Das war ein irrsinniges Chaos, ein bisschen hippiemäßig.

Sie hatten offenbar einen sehr musikalischen Freundeskreis...?
Naja, das war die Szene, in der ich steckte. Das waren insgesamt ungefähr dreißig Leute aus Landsberg und Weilheim, die kannten sich gar nicht alle. Die beiden Orte sind vierzig Kilometer voneinander entfernt, es gab nicht eine große Clique. Aber auch wenn nicht jeder jeden kannte waren das teilweise fast familiäre Strukturen, es gab ungeheuer viele Überschneidungen.