Heute stolpert man auf jedem Flohmarkt über James Last. Es gab eine Zeit, da waren seine Platten ein beliebtes Mitbringsel, 150 Millionen verkaufte er weltweit. Sein Happy Sound prägte das Hören der Bundesbürger in den sechziger und siebziger Jahren. Es wurde viel gearbeitet, man wollte den Wohlstand erreichen, den Krieg vergessen und auch mal ausgelassen feiern. James Last führte das westliche Deutschland behutsam an die Popmusik heran: Er bot viel Freiheit bei wenig Abenteuer.

Sein Klang ist unvergleichlich, auch heute noch. Er nahm populäre Stücke in breitem Orchesterklang neu auf und fügte ihnen hinzu, was jeden Hörer eigentlich am meisten stört: Zwischengeräusche. Ob zu Udo Jürgens, Otis Redding, den Beatles oder den Hardrockern Kiss, im Hintergrund wird geklatscht, gejohlt und gepfiffen. Meist singt ein vielstimmiger Frauenchor, die Stücke gehen ineinander über, kaum eines dauert länger als anderthalb Minuten. Menschen unterhalten sich und singen mit, die Gläser klirren. Die Party beginnt schon auf der Platte, und James Last wurde international einer der bekanntesten deutschen Musiker.

Non Stop Dancing hieß die Erfolgsserie, bis 1984 erschienen dreißig Folgen. Kein Stück und kein Genre war vor dem Gute-Laune-Orchester sicher, James Last liebte es leicht und dick: "Gershwin hoch zehn, schwelgerische Arrangements mit acht Celli, zwölf Bratschen", so seine Worte. Selbst Boney M und Michael Jackson bekam er noch glatter hin. Er pürierte Beat, Pop, Rock und Soul und servierte sie der Kriegsgeneration als bekömmliche Leckerei.

Zur Welt kommt Hans Last 1929 in Bremen, den Krieg erlebt er als Kind, den Wiederaufbau als Jugendlicher. Die Geschichte Deutschlands steht in seiner Biografie eher zwischen den Zeilen. Wenn er aus seiner Schulzeit berichtet und entsetzt feststellt, dass einige seiner Lehrer durchaus hätten Nazis sein können. Oder wenn er ein flammendes Plädoyer gegen den Krieg hält, schockiert vom Tod eines Bruders im Monat der Generalmobilmachung. Für den Faschismus findet er deutliche Worte. Später geht Politik an ihm vorbei.

Zur Musik bringt ihn die Familie, er lernt Bass an einer Heeresmusikschule in der Nähe von Hannover. Wenige Tage nach Kriegsende fahren amerikanische GIs bei der Familie Last vor und nehmen Hans mit, in Militärspelunken spielt er zum Tanz. Mit seinen Brüdern macht er Jazz, schließlich landet er in Radio Bremens Orchester. Er will "spielen, spielen, spielen", Orchesterleiter werden. Fünf Jahre nach dem Krieg wählt ihn das Herrenmagazin Gondel zu Deutschlands beliebtestem Jazzbassisten.

Im Jahr 1955 heiratet er seine Freundin Waltraud. Das junge Paar zieht nach Hamburg, bald bekommt Hans Last die Gelegenheit zum Arrangieren, er legt nun die musikalischen Abläufe fest. Sein Name spricht sich herum, immer häufiger wird er tätig für Freddy Quinn, Margot Eskens, Catarina Valente.