US-Präsident George W. Bush hat erstmals Fehler im Irakkrieg zugegeben und die Verantwortung dafür übernommen. In einer erwarteten Fernsehansprache kündigte er am Mittwochabend (Ortszeit) die Entsendung von 21.500 weiteren Soldaten in das arabische Land an, um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen. Angesichts der anhaltenden Gewalt sei ein verstärktes militärisches Engagement der USA notwendig. Die oppositionellen Demokraten kritisierten die Aufstockung der derzeit 134.000 Mann starken Truppe sowie die bereits laufende Offensive gegen Aufständische vor allem in Bagdad scharf.

Der demokratische Senator John Kerry beschuldigte Bush, den Nahen Osten weiter zu destabilisieren: "Eine Radikalisierung des Islams ist das Ergebnis unserer Politik". Senator Edward Kennedy kündigte eine Gesetzesinitiative an, um die Truppenaufstockung zu verhindern. "Die Eskalation unserer militärischen Verwicklung im Irak ist genau die falsche Botschaft", erklärten Nancy Pelosi und Harry Reid, die Führer der Demokraten im Repräsentantenhaus und Senat. Senator Dick Durbin meinte, es sei Zeit, an einen US-Rückzug zu denken.

Bush sagte in seiner aus dem Weißen Haus übertragenen Ansprache, mit einer "neuen Strategie" müsse der Demokratie zum Sieg verholfen werden - auch wenn "gewissenlose Terroristen und Aufständische für ein blutiges und gewalttätiges Jahr sorgen werden". Er gestand ein, die Lage im Irak falsch eingeschätzt zu haben. "Wir dachten, die Wahlen 2005 würden die Iraker zusammenbringen und dass wir mit dem Training irakischer Sicherheitskräfte unsere Mission mit weniger Truppen erfüllen könnten... aber das Gegenteil geschah". Der Präsident erklärte: "Wo Fehler gemacht wurden, liegt die Verantwortung bei mir". Die Situation im Irak sei für das amerikanische Volk und für ihn selbst "nicht akzeptabel".

Die seit November angekündigte "neue Strategie" Bushs ignoriert weitgehend die Empfehlungen der überparteilichen "Baker-Kommission". Diese hatte Gespräche mit dem Iran und Syrien sowie die zügige Übertragung der Sicherheitsverantwortung an die Iraker empfohlen.

Zwar betonte auch Bush die Notwendigkeit, dass die Iraker selbst für die Sicherheit sorgen sollen. Zunächst aber sollen mit Hilfe von rund 17.500 neu entsandten US-Soldaten und irakischen Einheiten die unsicheren Stadtteile Bagdads befriedet werden. 4000 zusätzliche US-Marineinfanteristen sollen in der Unruheprovinz Anbar für Ordnung sorgen. Für die neuen Militärmaßnahmen will Bush 5,6 Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro) in einem Ergänzungshaushalt beantragen. Zudem ist eine zusätzliche amerikanische Wirtschaftshilfe von 1,2 Milliarden Dollar vorgesehen.

Der Kampf im Irak entscheide "die Richtung des globalen Kriegs gegen den Terrorismus und über die Sicherheit bei uns zu Hause", betonte Bush in seiner 20-minütigen Ansprache. Das bisherige Scheitern im Irak sei vor allem mit einem Mangel an irakischen und US-Truppen in den Hochburgen der Aufständischen sowie Beschränkungen in der Handlungsfreiheit der Sicherheitskräfte begründet.