Vor vier Jahren eroberte das einstige Model Carla Bruni mit einem Hauch von Gesang zur akustischen Gitarre die europäischen Charts. "Es gab niemanden, der ihr Debüt nicht mochte", erinnert sich Michael Pilz in der Welt . "Ihre Lieder über die Vergeblichkeit der Liebe, ihre Stimme, die nach unzähligen Gauloises klang und nachdenklich durchrauchten Nächten. Carla Bruni musizierte also, wie Resteuropa es von seinen Französinnen erwartete. So existentialistisch wie verheißungsvoll."

Nun hat sie ein zweites Album herausgebracht. Auf No Promises erklingen ihre englischsprachigen Lieblingsgedichte. Statt der eigenen Verse singt sie Weisen von William Butler Yeats, Dorothy Parker und Emily Dickinson. Der begeisterte Michael Pilz sieht darin gleich ein eigenes Genre: Eurofolk.

Skeptischer und weniger wohlwollend äußert sich Andreas Platthaus in der FAZ . Wer sich den großen Werken der Literatur annehme, müsse auch daran gemessen werden. "Bei Gedichtvorlagen müssen Fragen nach Textgestalt und Interpretation gestellt werden, die bei eigens geschriebenen Liedtexten gegenstandslos wären, weil diese noch kein Leben abseits der Platte geführt haben. Doch Besonderheiten wie das unaufhörliche Summen von Carla Bruni, der durch mehrfache Aufnahme ihrer Stimme erzeugte Harmoniegesang oder die Wiederholungen bestimmter Verse und Strophen, die die Erwartungen des Publikums nach Refrain erfüllen sollen, sind Beeinträchtigungen der Vorlagen. Darauf müsste man nichts geben, würde nicht die Liebe der Interpretin zur Poesie dermaßen herausgestellt – bis dahin, dass sie auf dem Cover im Negligee mit einem Gedichtband in der Hand posiert. Wer es angeblich so ernst mit der Poesie meint, der darf auch ernst genommen werden."

Im Interview mit Gero Günther – ebenfalls in der FAZ - erklärt Bruni ihre rauchige Stimme als angeboren: "Das muss genetisch sein. Ich hatte diese Stimme schon, als ich noch nicht rauchte. Schon als Kind. Als ich sechs Jahre alt war, nahm mich meine Mutter zum Spezialisten mit. Sie wunderte sich, dass ich wie ein Barkeeper klang. Der hat meine Stimmbänder fotografiert. Rauhe Stimmen entstehen, wenn die Stimmbänder sehr dick sind und weit auseinanderstehen. Wenn da Luft durchkommt, klingt es wie Marge Simpson. Wenn ich hoch singe, wird meine Stimme reiner, hören Sie? (Singt:) And I Will Always Love You." Ein Schelm, wer an Whitney Houston dabei denkt.

Vom Ex-Model zur Ex-Seriendarstellerin: Die australische Popsirene Kylie Minogue lächelt von der Titelseite des österreichischen Musikmagazins Skug . Recht ungewöhnlich, pflegt doch das Heft eine Vorliebe für experimentelle Musikformen. Die Auflösung findet sich im Innenteil: Dort wird eine CD des Gitarrenvirtuosen Noël Akchoté besprochen. Auf So Lucky widmet sich der französische Musiker Stücken Minogues. "Ich habe nichts neu arrangiert oder Harmonien verändert. Ich spiele nur die Melodien und die Akkordwechsel, teilweise sogar nicht mehr als nur den Basis-Bass. Die Herausforderung bestand darin, keinen Stil nachzuspielen, sondern sich sozusagen mit Haut und Haaren auf die Melodien bzw. auf eine Frau und ihre Songs einzulassen."

Einige Seiten später folgt im Skug ein eigens verfasster Text Akchotés: Er erklärt das blonde Nichts Paris Hilton zur "Päpstin der vollen Leere". Hilton habe in wenigen Monaten geschafft, "den Sinn, die Funktion, das Ziel und die Art des Konsums einer Sache zu verdrehen, die zu den ältesten der Welt gehört: Paris ist ein Idol. Denn der ultimative Star ist immer ein totaler Star. Und der völlige Star ist auch immer zur Gänze leer (siehe Michael Jackson, Elvis, Marilyn, Heino, Bob Marley…)."