Können Computerspiele Beihilfe zum Mord leisten? Für einige der deutschen Landesinnenminister ist das ausgemachte Sache und auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble stößt ins gleiche Horn, wenn auch dezenter als sein bayerischer Kollege Günther Beckstein und der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann. Doch ihr öffentliches Plädoyer für ein Verbot geht am Problem vorbei.

Es gibt bereits ausreichend Rechtsgrundlagen, um die Menschenwürde verachtende Spiele aus dem Verkehr zu ziehen: eine Alterseinstufung durch die Spielehersteller, die Indizierung durch die Bundesprüfstelle für Medien, nach der Spiele nur noch an Käufer über 18 Jahren verkauft und nicht mehr beworben werden dürfen, und das härteste Mittel, die Beschlagnahmung. Hier werden alle im Verkauf existierenden Kopien eingezogen und verwahrt. Dass auch dieses Mittel nur teilweise greift, liegt nicht an der Rechtslage.

Die Wirklichkeit scheint in den Köpfen der Innenpolitiker bis heute nicht angekommen zu sein: Über Tauschbörsen im Internet lassen sich natürlich auch indizierte und beschlagnahmte Spiele herunterladen. Das ist für die meisten Jugendlichen heutzutage genauso wenig ein Problem wie die Umgehung von Altersbeschränkungen. "Wir brauchen ein gesetzliches Verbot - dann werden die Betreiber es aus dem Netz nehmen", sagte Beckstein heute der Deutschen Presseagentur während des Treffens der Innen- und Justizminister in Dresden. Glaube soll Berge versetzen können , aber die meist jugendlichen Egoshooter-Spieler von ihrem Hobby abzubringen dürfte ein Unterfangen sein, bei dem Paragrafen die geringste Rolle spielen. Beckstein ist das gleich. Er verweist - wie passend! - auf den "Erfolg" bei der Kinderpornografie im Internet. Die sei seit ihrem Verbot um 95 Prozent rückläufig. Was man nicht direkt sieht, ist nicht mehr existent. Oder? Auf jeden Fall wäre der Vorschlag einfacher umzusetzen, als sich mit medienpädagogischen Ideen auseinanderzusetzen - und für Politiker mit einem Law and Order-Profil viel attraktiver.

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