Michael Müller, Staatssekretär im Bundesumweltministerium kennt kein Mitleid mit den Wetterkundlern. Das "mehr als außergewöhnlich" warme Januarwetter sei ein "weiteres Extremereignis, das einen "Vorgeschmack" auf künftige Winter gebe. Die globale Temperatur werde sich "jedes Jahr um 0,2 Grad erhöhen", was die Anzahl der Jahreszeiten auf drei schrumpfen lassen werde: "Winter, Frühling und einen heißen Sommer".

Das alles ist Humbug, wie die Wissenschaft weiß. Der warme Januar hat nichts mit der Erderwärmung zu tun. Die Temperatur der bodennahen Luft hat sich zwar in den vergangenen 100 Jahren im weltweiten Durchschnitt um 0,7 Grad erhöht. Und sie wird wahrscheinlich weiter steigen, weil in den letzten Jahrzehnten jede Menge Treibhausgase aus Autos, Kraftwerken und Heizungen in die Atmosphäre gepustet worden sind. Die Gase halten wärmende Sonnenstrahlung in der Atmosphäre zurück.

Auch in Europa wird es deshalb wärmer werden. Dass jedoch der Januar künftig regelmäßig so warm wird wie heute, erscheint unwahrscheinlich. Denn die milde Witterung wird nur unwesentlich vom verstärkten Treibhauseffekt verursacht - sondern von einem meteorologischen Zufall: "Über dem Atlantik haben sich Tiefdruckgebiete regelrecht eingenistet", erklärt Jörg Rapp, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Wie starke Turbinen fächern sie mit Westwinden milde Luft mit dicken Regenwolken nach Europa. Meist haben jene "Zyklonalen Westwindlagen" nur ein paar Tage Bestand.

Weil es jedoch sogar in Westrussland zehn Grad warm ist, fehlt der Schnee, der sich üblicherweise in Osteuropa sammelt. Eine große Schneedecke sorgt normalerweise für Abkühlung, denn sie wirft Sonnenstrahlung ins All zurück. In der Wärme Osteuropas bildet sich nun nicht wie bei Kälte üblich ein Hochdruckgebiet, das die Westwinde blockieren würde. Deshalb stabilisiert sich das warme Wetter. Ein Zufall, der sich langfristig nicht vorhersagen lässt.

Dafür, dass Zyklonale Westwindwetterlagen im Winter zunehmen werden, gibt es keine Hinweise. Ein möglicher Wandel von Luftzirkulationen lässt sich bislang nicht mit Computern modellieren. Klimaprognosen geben lediglich Auskunft über Temperaturänderungen. Die Physik des Geschehens ist gleichwohl kaum verstanden. Es sei unklar, aufgrund welcher Mechanismen sich das Wettergetriebe über dem Nordatlantik von Jahr zu Jahr ändere, betont Klaus Dethloff vom Alfred-Wegener-Institut.