Über fünf Millionen Artikel in 250 Sprachen hat Wikipedia bisher gesammelt. Die Seite gehört zu den beliebtesten Webseiten der ganzen Welt - laut den Statistiken des US-Dienstleisters Alexa liegt die Online-Enzyklopädie noch vor kommerziellen Seiten wie Amazon.com oder eBay . Bis zu 30.000 Anfragen gehen pro Sekunde auf den Servern der Wikimedia-Foundation ein. Die Geschichte der Wikipedia ist ein beispielloser Erfolg in der Geschichte des Internet.

Der Erfolg hat aber auch Schattenseiten. Schon seit Jahren wird immer wieder Kritik an der Präzision und Verlässlichkeit der Mitmach-Enzyklopädie geübt. Jetzt kommen organisatorische Herausforderungen hinzu, denn inzwischen verschlingt der Unterhalt der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte jeden Monat über 75.000 Dollar - Tendenz steigend.

Die einzige Finanzierungsquelle sind Spenden. Doch auch hier gibt es ein Problem: Die benötigten Summen sind nicht mehr mit den üblichen Aufrufen zu beschaffen. In den letzten vier Wochen hat die Wikimedia Foundation zu Geldspenden aufgerufen und fast eine Million Dollar eingenommen. Das war zwar die bislang erfolgreichste Spendenkampagne der gemeinnützigen US-Stiftung, doch die Summe ist geringer als gedacht. Die Wikimedia-Vorsitzende Florence Devouard kündigte bereits Einschnitte an: "Wir müssen mit beschränkten Finanzmitteln auskommen." Neuanschaffungen müssen warten, ebenso längst überfällige Neueinstellungen. " That's Life " erklärt die Stiftungsvorsitzende lakonisch, die seit drei Monaten im Amt ist.

Im letzten Jahr hat die Wikimedia Foundation viel Arbeit in die eigene Reorganisation gesteckt. So hat die Stiftung den Anwalt Brad Patrick als Interims-Geschäftsführer angestellt, die Bücher der Stiftung wurden von Wirtschaftsprüfern unter die Lupe genommen. Die Finanzexperten bescheinigten der Stiftung saubere Arbeit, empfahlen aber deutlich höhere Einnahmen.

Um neben den vielen Kleinspendern nun auch große Geldgeber zu gewinnen, überlegte sich die Stiftung daher etwas besonderes: Jimmy Wales suchte Sponsoren, die das Spendenergebnis für einen Tag verdoppelten. Die pfiffige Idee sorgte aber für Aufsehen. Als Dankesbeweis platzierte die Foundation das Logo der Stiftung Virgin Unite, dem karitativen Ausleger des Virgin-Konzerns, auf jeder Wikipedia-Seite. Doch die Gemeinschaft der Wikipedia-Autoren reagiert allergisch auf jede Art von Werbung. Einige Mitglieder beschwerten sich lautstark, sogar beim Sponsor Virgin gingen Protestschreiben ein. "Das müssen wir in Zukunft berücksichtigen", erklärt Devouard in einer E-Mail. Auf die Sponsorenpraxis will sie in Zukunft aber nicht verzichten.

Einfacher hingegen erscheint es, den inhaltlichen Mängeln beizukommen. Bereits vor einem halben Jahr versprach Wikipedia-Gründer Jimmy Wales eine neue Initiative zur Qualitätssicherung, um den allgegenwärtigen Vandalismus in dem für jedermann zugänglichen Online-Lexikon zu begegnen: Zukünftig sollen Versionen erst für jeden Besucher sichtbar werden, wenn sie von Wikipedia-Nutzern freigeschaltet wurden. Doch die Umsetzung lässt auf sich warten: zu beschäftigt sind Wikimedia-Entwickler und ohne zusätzliche Finanzquellen besteht für sie kaum Spielraum.

Die Zeit drängt jedoch: So hat der Wikipedia-Mitbegründer Larry Sanger ein Konkurrenzprojekt namens Citizendium angekündigt , das Wikipedia-Inhalte verwerten und von Experten fortentwickeln lassen will. Zwar bezweifeln viele, dass dieses Projekt dem Original das Wasser abgraben kann, doch auch die Wikipedia wirbt um die Beteiligung von Fachleuten, die dem Projekt zu steigender Qualität verhelfen soll. Und auch im Werben um neue Geldgeber wäre das Citizendium ein unwillkommener Konkurrent.

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