Am Ende ging es dann doch ganz schnell. Es gibt für Edmund Stoiber keine letzte Chance mehr, keine Regionalkonferenzen und keine Zeit, das verlorene Vertrauen in seiner Partei zurückzugewinnen. Die Ära Stoiber in Bayern ist zu Ende: Nach tagelangem Gezerre und wochenlangem Machtkampf gab er am Donnerstag entnervt seinen Rückritt von allen Ämtern zum 30. September bekannt.

Am kommenden Montag will der CSU-Vorstand über die Nachfolge entscheiden, die ein Parteitag im September absegnen soll. Doch alles läuft bereits auf eine neue Doppelspitze hinaus: Bayerns Innenminister Günther Beckstein folgt Stoiber als Ministerpräsident in der Staatskanzlei, Wirtschaftsminister Erwin Huber als Vorsitzender in der CSU. Der Macht- und Nachfolgekampf scheint entschieden, und dies bedeutet: Diejenigen CSU-Landespolitiker, die auch nach dem Patt auf ihrer Klausurtagung in Wildbad Kreuth Anfang der Woche auf einen schnellen Wechsel und eine rasche Klärung der Nachfolgefrage gedrängt hatten, haben sich durchgesetzt. Sie haben damit die letzte Chance ergriffen, das Abgleiten ihrer Partei ins absolute Chaos zu verhindern.

Zumindest aus Sicht der CSU-Landtagsfraktion ist der Kompromiss eine elegante Lösung. Schließlich standen sich Beckstein und Huber im Herbst 2005 noch als Konkurrenten um die Nachfolge von Edmund Stoiber gegenüber. Ein harter innerparteilicher Wahlkampf hatte damals begonnen: Franke gegen Niederbayer, Protestant gegen Katholik, Jurist gegen Volkswirt, Landesvater gegen Technokrat. Die Lager waren aufgestellt, die Partei stand schon damals vor einer Zerreißprobe. Doch dann ließ Stoiber sein Amt als Superminister im Kabinett Merkel in Berlin sausen und kehrte überstürzt nach Bayern zurück.

Die beiden potenziellen Nachfolger standen düpiert da, zwischen den beiden Lagern hatten sich schon Gräben aufgetan. Lange schien es anschließend so, als würden sich Beckstein und Huber im christsozialen Erbfolgekrieg gegenseitig blockieren, ihre Anhänger sich aufreiben und Stoiber damit die Chance geben, noch einmal seine Macht zu verteidigen.

Vorbei. Die beiden bisherigen Konkurrenten wollen sich die Macht in Freistaat und Partei künftig teilen. Dass Beckstein der aussichtsreichste Kandidat für die Stoiber-Nachfolge in der Münchner Staatskanzlei sein würde, zeichnete sich schon seit längerem ab. In allen Umfragen ist er der beliebteste CSU-Landespolitiker, längst auch vor Stoiber. Als Innenminister hat er sich bundesweit einen Ruf als Hardliner in der Innen- und Ausländerpolitik erworben, darüber hinaus ist ihm am ehesten zuzutrauen, in die Rolle des Landesvaters zu schlüpfen und weit auch bis ins soziale und wertkonservative Lager zu integrieren - für die CSU als letzte verbliebene echte Volkspartei überlebenswichtig.

Der 63-Jährige ist ein altgedienter politischer Fuchs. Er wuchs in Nürnberg, wo er noch heute bescheiden in einem Reihenhaus wohnt, in einer Lehrerfamilie auf. Er ist promovierter Jurist und seit 33 Jahren in der CSU aktiv. Seit 1993 ist er, als Nachfolger von Stoiber, Innenminister. In diesem Amt profilierte er sich beispielsweise mit Forderungen nach harten Strafen, nach Einführung des großen Lauschangriffes, nach Abschaffung des Asylrechts im Grundgesetz und scharfen Anti-Terrorgesetzen. Schlagzeilen machte er auch mit seiner rigiden Abschiebepolitik.