Wenn Eingriffe in den freien Markt in Form von Subventionen oder Steuervergünstigungen gefordert werden, denkt man zuerst an die üblichen Verdächtigen: An die Landwirtschaftslobby mit ihrem unstillbaren Subventionshunger, an die Umweltschützer mit der Forderung nach Unterstützung für wirtschaftlich noch nicht tragfähige grüne Technologien, oder an die Interessensvertreter einzelner Gesellschaftsgruppen, vom Gewerkschaftsfunktionär bis zum Senioren- und Sozialverband VdK.

Nun erklingt der Ruf nach staatlichen Eingriffen von einer Seite, die eigentlich als eine der stärksten Bastionen des freien Marktes bekannt ist. Das Deutsche Aktieninstitut (DAI), eine der wichtigsten Lobbyorganisationen der börsennotieren Aktiengesellschaften in Deutschland, fordert von der Politik Maßnahmen zur Förderung der Aktienanlage. Kritisiert wird unter anderem die geplante Abgeltungssteuer auf Aktiengewinne und der gesenkte Sparerfreibetrag. Zugegeben, die neuen Regelungen sind ärgerlich für Sparer. Doch der Sparerfreibetrag und erst recht die Steuerfreiheit für Kursgewinne sind eine indirekte Subvention. Zumindest, wenn man als Vergleichsmaßstab die reguläre Besteuerung des Arbeitseinkommens heranzieht.

Als Anlass für die Kritik an den steuerlichen Änderungen nimmt das DAI die Aktionärszahlen in Deutschland, die als "weiterhin unbefriedigend" bezeichnet werden. Dabei sehen die Zahlen nicht mal so schlecht aus. Zwar ist im zweiten Halbjahr 2006 die Zahl der reinen Aktienbesitzer um 115.000 gesunken, dafür jedoch ist die Zahl der reinen Aktienfondsbesitzer um 522.000 gestiegen, und auch die Zahl der Besitzer von Aktien und Fonds stieg wieder leicht an.

Aktien und Aktienfonds werden in steuerlicher Hinsicht gleich behandelt. Deshalb ist die Annahme irrig, die Abkehr von der direkten Aktienanlage habe vorrangig steuerliche Gründe. Für Privatanleger mit kleinem bis mittlerem Vermögen sind Fonds allein schon wegen der breiten Risikostreuung sinnvoller als der Direkterwerb von Aktien. Hinzu kommt, dass das Fondsinvestment wesentlich weniger Vorkenntnisse und Rechercheaufwand erfordert als die Direktanlage, und damit für die wirtschaftsferneren Anlegerschichten ohnehin die bessere Lösung ist.

Eine beliebte Spielwiese des DAI ist die Belegschaftsaktie, die auch bei der Präsentation der aktuellen Halbjahreszahlen nicht zu kurz kommt. Beklagt wird der ausgeprägte Rückgang der Belegschaftsaktionäre. Unerwähnt bleibt hingegen, dass Instrumente der betrieblichen Altersvorsorge breiter streuende Investments wie Pensionskassen oder Pensionsfonds immer mehr an Bedeutung gewinnen.