Es ist ein fast vergessenes Kapitel bundesdeutscher Geschichte, das noch einmal die Gemüter bewegt. In Zeiten weltweiten Terrors mit Tausenden von Toten wirken die Anschläge der Rote Armee Fraktion im Rückblick heute beinahe wie entrückt. Und doch haben sie vor 30 Jahren das Land in Atem gehalten und es nachhaltig verändert: Mehrere führende Repräsentanten von Staat und Wirtschaft fielen damals dem Terror der selbst erklärten Stadtguerilla zum Opfer. Der Staat reagierte mit teilweise übertriebener Härte.

Kein Wunder, dass die Frage, ob nun die letzten Inhaftierten aus dem harten Kern der RAF freikommen sollen, nicht nur diejenigen umtreibt, die seinerzeit mittelbar oder unmittelbar betroffenen waren. Und doch geht es zunächst und in allererster Linie um eine nüchterne rechtsstaatliche Prüfung: Haben auch solche, die als Rädelsführer einer Terrorgruppe schwere Schuld auf sich geladen haben und dafür fast ein Vierteljahrhundert hinter Gittern verbüßt haben, einen Anspruch darauf, die Freiheit wiederzuerlangen?

Mohnhaupt und Klar waren die unbeugsamsten aus der so genannten zweiten Generation der RAF. Beide wurden, unter anderem wegen der Beteiligung an den Morden an Arbeitgeberpräsident Schleyer und Generalbundesanwalt Buback, zu lebenslänglich verurteilt. Beide haben 24 Jahre abgesessen. Beide haben der Gewalt längst abgeschworen aber sie haben sich auch nie eindeutig von ihren Taten distanziert oder gar Reue gezeigt.

Soll die Gesellschaft, soll ihnen der Staat dennoch Gnade erweisen? Bei Mohnhaupt geht es streng genommen nicht um einen Gnadenakt: Das Oberlandesgericht Stuttgart hat am Montag in mündlicher Verhandlung darüber beraten, ob sie, wie jede Kriminelle, nach so langer Zeit unter Bewährung auf freien Fuß gesetzt werden kann und soll. Die Bundesanwaltschaft hat sich dafür ausgesprochen, deshalb ist anzunehmen, dass das Gericht dem Antrag entspricht und sie Ende März aus der Haft entlässt.