Die Wartelisten für einen freien Platz an der Metropolitan School in Berlin-Mitte sind lang. Die BMS ist eine Privatschule, umfasst Kindergarten, Vorschule und Grundschule, die inzwischen bis zur dritten Klasse gewachsen ist. Eines Tages will sie eine ganztägige Gesamtschule sein. Nayef Ghani bei der Sport-AG

Mehr als zwanzig Kinder werden in eine Klasse nicht aufgenommen. Umgangssprache ist Englisch. Für den Spracherwerb verwendet die Schule die „immersive Methode“, die unter anderem in Kanada seit dreißig Jahren erfolgreich praktiziert wird. Statt eine zweite Sprache im herkömmlichen Sinne zu lernen, tauchen die Kinder schon im Kindergarten in ein ‚Sprachbad’ ein, lernen in konkreten Situationen, jedes Kind in seinem eigenen Tempo. Je früher dieser Prozess beginnt, heißt es, desto mehr ähnelt der Spracherwerb dem Erlernen der Muttersprache. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen soll das Sprachbad die geistige Entwicklung der Kinder, ihre Flexibilität im Denken, das Ausdrucks- und Einfühlungsvermögen in andere fördern, die der gesprochenen Sprache nicht so mächtig sind. Trotzdem soll es die muttersprachliche Kompetenz erhöhen. Ziel dieser Schule ist, die Kinder ganzheitlich wahrzunehmen und individuell in ihren Interessen und Talenten zu fördern. Hochbegabte sollen erkannt und integriert werden.

Cornelia Donner, Direktorin der Grundschule, ist Amerikanerin und Kind deutschsprachiger Eltern, die in den 50er Jahren in die USA auswanderten. Im Jahr 2000 wurde Frau Donner vom „Center for Talented Youth“ der Johns Hopkins Universität beauftragt, in Europa zu erkunden, ob es Interesse an Sommercamps für hochbegabte Kinder gäbe. Frau Donner lächelt ein wenig, wenn sie sich an die Reaktion der Deutschen erinnert. „Ja, hieß es, und nein, wenn das was kostet. Bildung muss kostenfrei sein. Wir wollen keine Elitebildung. Die Warteliste für diese Privatschule jedoch beweist, dass Eltern bereit sind, für die Bildung ihrer Kinder zu zahlen.“

„Ich gehöre zu den Lehrern, die hier schon von Anfang an, seit 2005, unterrichten,“ erzählt Nayef Ghani, zuständig für das Fach Deutsch. „Es gab hier nichts, keine Strukturen. Die Lehrer, alle ziemlich jung, niemand ist älter als 40, haben den Aufbau mitgestaltet, eine einzigartige Erfahrung, von der ich immer zehren werde. Und wir sind weiter ständig im Prozess. Wir gestalten den Lehrplan gemeinsam, indem wir uns fragen: Was brauchen die Kinder und welcher Lehrplan gibt uns gute Impulse. Der Deutschunterricht richtet sich nach dem Rahmenlehrplan von Berlin. Bei anderen Fächern gucken wir uns international um. Im Team sind Leute aus England, Südafrika, Kanada, Amerika und Deutschland. Erfahrungen und Einstellungen sind verschieden. Die Auseinandersetzungen schweißen uns als Team zusammen und ich glaube, die Kinder genießen die unterschiedlichen Einflüsse. In der Kindergarten- und Vorschulklasse haben die Kinder eine deutsche und eine englischsprachige Erzieherin, in der Grundschule englischsprachige Klassenlehrer, die jeweils mit einer Deutschlehrerin oder einem Deutschlehrer zusammenarbeiten. Die kleinen Kinder absorbieren die englische Sprache im Vorbeigehen. Fachunterrichtssprache ist Englisch, kein Problem für sie.“

Worin unterscheidet sich die BMS noch von Regelschulen? „Schon ab der Vorschule gibt es das Angebot, Spezialkurse wahrzunehmen, musische, technische oder sportliche. Und der Kontakt zu den Eltern ist eng. Es ist praktisch jeden Tag Elternabend. Man sieht die Eltern morgens, wenn sie ihre Kinder bringen und am Nachmittag, wenn die Kinder abgeholt werden. Hier kommt kein Kind allein. So ist man ständig im Austausch, auch außerhalb der vereinbarten Elterntermine. Es wird hier viel Wert auf Transparenz gelegt. Die Klassenlehrer schreiben den Eltern jeden Donnerstag einen Brief, der sie über Inhalte und Geschehnisse der Woche informiert.“

Warum kommen und gehen die Kinder nur in Begleitung?

„Ich glaube, das ist in diesem Bezirk einfach so.“

Eine gut situierte Klientel.

„Ja, natürlich. Was nicht heißt, dass die Kinder unselbstständig sind. Sie sind früh fit, ist mein Eindruck. Sie kommen aus behütenden Elternhäusern, wissen, dass ihnen immer jemand zur Seite steht. Ich denke, das ist wichtig für Kinder. Warum sollten sie auf dem Schulweg nicht begleitet werden, wenn jemand da ist, der sie begleiten kann.“

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