Gesundheitskommissar Markos Kyprianou warb in Brüssel dafür, Tabakqualm aus allen Hotels, Gaststätten und anderen öffentlichen Räumen zu verbannen. »Ich möchte ein möglichst vollständiges Rauchverbot in ganz Europa, also auch in den 16 deutschen Bundesländern.«
Darf bald europaweit in öffentlichen Räumen nicht mehr gequalmt werden?© Sean Gallup/Bongarts/Getty Image

Die EU-Kommission beschloss dazu ein so genanntes Grünbuch. Auf dessen Grundlage soll nun bis zum kommenden Jahr geprüft werden, ob es EU-weite Regelungen für Rauchverbote geben wird. Kyprianou ließ dies ausdrücklich offen, warb aber für möglichst umfassende Regeln für rauchfreie Zonen etwa am Arbeitsplatz oder in Restaurants und Kneipen.

Wenn alle EU-Staaten von sich aus Rauchverbote erließen, könnte eine EU-Gesetzgebung überflüssig werden. »Ich möchte sie dazu ermutigen«, sagte Kyprianou. Irland sei mit gutem Beispiel vorangegangen. Italien, Malta und Schottland seien gefolgt. Diese vier Länder hätten gute Erfahrungen gemacht. Großbritannien und Frankreich wollen das Rauchen ebenfalls bald verbieten. Finnland und Estland planen Ähnliches.

»Ein umfassendes Rauchverbot ist viel leichter durchzusetzen«, betonte der Kommissar. Ein kompletter Tabakbann biete auch die größten Vorteile für die Gesundheit. Herzkrankheiten nähmen ebenso ab wie Erkrankungen der Atemwege. Die volkswirtschaftlichen Vorteile überträfen auch alle Nachteile etwa bei den Tabaksteuereinnahmen. »Restaurants und Bars sind deshalb nicht in Konkurs gegangen, das hat die Erfahrung gezeigt«, fügte Kyprianou hinzu.

Nach EU-Angaben steigt bei Nichtrauchern das Risiko von Lungenkrebs oder Herzerkrankungen um bis zu 30 Prozent, wenn sie ständig Tabakrauch anderer ausgesetzt sind. Der Gesundheitskommissar verwies auf breiten Zuspruch der Bürger zu Rauchverboten. 86 Prozent der Europäer hatten sich in einer EU-weiten Umfrage für ein Rauchverbot an Arbeitsplätzen in geschlossenen Räumen ausgesprochen. Selbst 70 Prozent der Raucher seien dafür. Auch für Restaurants befürworteten 77 Prozent der Befragten einen solchen Schritt, allerdings je nach Land unterschiedlich deutlich.

Die Kommission will nun die Meinungen in den Mitgliedsländern sammeln und auf dieser Grundlage 2008 ein Strategiepapier vorlegen. Danach könnte sie den EU-Staaten Vorschläge machen. Der Gesundheitskommissar warb auch für abschreckende Bilder auf Zigarettenschachteln. Bisher hat sich erst Belgien entschlossen, solche Abbildungen vorzuschreiben. Dies soll im Sommer beginnen.