Manche trauern, manchen ist sie egal, die Auflösung der Hamburger Band Blumfeld . Aber alle berichten darüber, von SZ bis FAZ .

Der Apfelmann, wie der Blumfeld-Sänger Jochen Distelmeyer mit Bezug auf das letzte Album spöttisch genannt wird, mag nicht mehr. Schon früh hat die Band das Publikum polarisiert: Die einen glaubten im Diskurs-Pop von Blumfeld die Zukunft der deutschsprachigen Musik gehört zu haben, die anderen mussten lächeln ob der sinnig-unsinnigen Wortspiele. Am Erfolg der so genannten Hamburger Schule hatten Blumfeld einen nicht unwesentlichen Anteil, zusammen mit den Sternen und Tocotronic . Zuletzt liebäugelten sie mit der leichten Muse und Naturlyrik. Im April und Mai gibt es Blumfeld noch einmal auf der Bühne – Abschiedstournee. Parallel soll eine "5-CD-Box" mit dem "Œuvre" der Band erscheinen. Es sei ihr "Vermächtnis", schreibt Jörg Sundermeier ergriffen in der taz und zieht Parallelen zur "jüngeren Geschichte der Zeitschrift Spex ". In der Tat war die Kölner Redaktion die größte Stütze der Band. Auf jede Blumfeld-Veröffentlichung folgte eine Jubelarie im Heft. Selbst beim vielerseits belächelten letzten Album wollten die Redakteure Diskursives in den Naturbetrachtungen entdeckt haben. Aber das ist Geschichte: Blumfeld haben sich aufgelöst, die Spex -Redaktion wurde zerschlagen. Der Monatszeitschrift, die fortan in Berlin von einer neuen Mannschaft produziert werden soll, verheißt dies nichts Gutes. Und der deutschsprachigen Popmusik? Blumfeld hatten längst die Bedeutung verloren, die viele Redakteure ihnen noch immer zuschreiben wollen. Musikalisch und textlich Wegweisendes findet längst anderswo statt.

Was Blumfeld alternden Bescheidwissern war, ist Tokio Hotel den ganz Jungen: eine Projektionsfläche des eigenen Lebens. Der Stern widmet dem "Phänomen Tokio Hotel" die Titelgeschichte. Hannes Ross, Andrea Ritter und der Fotograf Thomas Rabsch begleiten den Sänger Bill Kaulitz und seine drei Freunde nach Moskau und suchen in Magdeburg, der Heimatstadt der Musiker, nach ihren Spuren. Heraus kommt ein reich bebildertes Porträt, das "das Pop-Wunder aus der Provinz" nicht als "gecastete Teenie-Truppe", sondern als "eine echte, junge Band" beschreibt. Nach Deutschland wollen sie nun Europa und den Rest der Welt erobern. "Für alle, die bisher dachten, Tokio Hotel, das ist doch diese lustig frisierte Kinderband, auf die meine Tochter steht – nein, die Jungs sind nicht nur von Flensburg bis Freising ein Phänomen. Sie sind es auch bei den kleinen Polinnen. Bei Österreicherinnen, Schweizerinnen, Holländerinnen, Russinnen und Französinnen. Das Debütalbum Schrei stieg im vorigen Jahr sogar auf Platz 19 der französischen Hitparade ein. Inzwischen hat die Band dort 50.000 CDs verkauft."

Eng sei die (Erfolgs-)Geschichte von Tokio Hotel mit Bravo verknüpft. Das Magazin fördert die Band von Anfang an. Nicht ohne Eigennutz: "Keine andere Zeitschrift ist so abhängig von frischen Teenie-Stars wie die Bravo . Dank etlicher Tokio-Hotel-Titelgeschichten stieg die Auflage im ersten Quartal des vergangenen Jahres um satte 12,2 Prozent." Vielleicht erhofft sich der Stern  Ähnliches. Viele zwölfjährige Mädchen werden – angelockt vom Bill-Kaulitz-Titelbild – zum ersten Mal die Zeitschrift aus Hamburg zur Kenntnis nehmen: lauter künftige Leserinnen!

Die Schattenseiten solch frühen Erfolges hat ein anderer Teenie-Star kennen lernen müssen: Kim Frank, ehedem Sänger der Band Echt . Die neunziger Jahre waren seine große Zeit. 2002 hat sich die Band aufgelöst. Seitdem ging es bergab mit Frank, wie die Bild und in einer kurzen Notiz die SZ berichtet. Sein Vermögen und seine Luxusvilla hat er verloren. "Die Hälfte des Geldes habe ich an der Börse verzockt, die andere Hälfte verlebt", sagte Frank der Bild- Zeitung. Mittlerweile wohnt er zur Untermiete bei einem Freund. Das Finanzamt sitzt ihm im Nacken.