Mit einem ebenso beherzten wie verdienten und fast ungefährdeten 29:24 (17:13)-Finalsieg über Polen hatte das Team von Nationaltrainer Heiner Brand am Sonntag in Köln das "Wintermärchen" vollendet. Mit Feuerwerk und schwarz-rot-goldenen Flaggen bejubelten überall in Deutschland die Fans die WM-Krone - fast wie im Sommer die Erfolge der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

"Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Vor drei Wochen habe ich es für unmöglich gehalten, was jetzt passiert ist", sagte der sichtlich mitgenommene Bundestrainer, der vor 29 Jahren beim letzten deutschen WM-Gewinn als Spieler dabei war. Bei der Siegerehrung vor 19.000 entfesselten Zuschauern in der Kölnarena durch Bundespräsident Horst Köhler traten die deutschen Spieler zu Ehren ihres Trainers mit aufgeklebten Brand-Bärten und goldenen Papierkronen auf dem Kopf an. Unter Champagner-Fontänen hob Kapitän Markus Baur die 30 Kilogramm schwere Trophäe in die Höhe.

Es war der Auftakt zu einer Party bis spät in die Nacht. Am Abend bereiteten über 10.000 Fans der Mannschaft einen begeisterten Empfang auf dem Kölner Rathausmarkt. Mit schwarz-rot-goldenen Flaggen und Sprechchören jubelten sie den Spielern zu, die sich in das Goldene Buch der Stadt eintrugen. Anschließend feierte die Mannschaft im Quartier im oberbergischen Wiehl mit den Ehefrauen und Freundinnen bis tief in die Nacht weiter.

"Das ist ein Traum, einfach unglaublich. Wir haben das Ding. Es ist wurstegal, wie das Spiel war", sagte Baur. "Weltmeister im eigenen Land, was Größeres gibt es nicht. Vor zwei Wochen war ich noch im Urlaub", meinte der 37 Jahre alte Christian Schwarzer, der erst während des Turniers zum Team geholt wurde.

Die nächste Bewährungsprobe für das DHB-Team steht schon fest: Durch den WM-Sieg qualifizierte sich die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) nach der gelungenen Revanche für die 25:27-Vorrundenniederlage als erste Mannschaft direkt für die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Belohnt wurde die deutsche Mannschaft mit 100.000 US-Dollar (rund 77.200 Euro) Preisgeld, das unter den Spielern aufgeteilt werden soll. An die Polen zahlte der Weltverband IHF für den zweiten Platz 60.000 Dollar.

Die begeisterten Zuschauer in der ausverkauften Kölnarena und tausende Fans beim Public Viewing in ganz Deutschland zelebrierten eine Handball-Party nie gekannten Ausmaßes. Im Mittelpunkt der Ovationen war Bundestrainer Brand, der als "Handball-Kaiser" wie Franz Beckenbauer im Fußball den WM-Titel als Spieler und Trainer gewonnen hat. "Die Fußball-WM war ein Sommermärchen, das ist nun ein Wintermärchen", sagte Beckenbauer.