Wer finanziell fürs Alter vorsorgen muss, dem raten viele Experten auch zu Aktien und anderen Beteiligungsformen. Zumindest in der Vergangenheit konnte den Dividendenpapieren keine andere Anlageform das Wasser reichen. Ob das in Zukunft auch so ist, wird sich zeigen - erst recht, wenn Gesellschaft und Wirtschaftsleben der Industrieländer sich in den kommenden zwanzig oder dreißig Jahren durch den demografischen Wandel tiefgreifend verändern werden.

Es wäre illusorisch zu glauben, einzig der Staat und die Bürger müssten die Folgen der drohenden Überalterung tragen . Manche Unternehmen könnten zwar von der Entwicklung profitieren, aber längst nicht alle. Und die Aktienmärkte werden den Wandel auf jeden Fall zu spüren bekommen, darin sind sich Banker und Börsenexperten einig. Die Frage ist nur, wie.

Eines zumindest scheint vielen Experten sicher: Die Liquidität an den Märkten wird abnehmen, wenn die von ihnen so genannte "Age Wave" über sie hinwegrollt. Eine wachsende Zahl von Pensionären und Rentnern dürfte dann ihre Wertpapiere verkaufen, um von den Erlösen zumindest teilweise ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Wie viele das tun und wie plötzlich, ist zwar umstritten. Doch der Abgabendruck wird den Spielraum für Kurssteigerungen zumindest begrenzen.

Viele Volkswirte verweisen auch darauf, dass die Wirtschaft langsamer wachsen dürfte, weil – vereinfacht gesprochen – die sinkende Zahl von Arbeitskräften nur begrenzt durch einen wachsenden Einsatz von Maschinen ausgeglichen werden kann. Zudem gelten alternde Gesellschaften als weniger innovationsfreudig, und da Rentner eher über ein geringeres Einkommen verfügen als Arbeitnehmer, konsumieren sie auch weniger. Das drückt zusätzlich aufs Konjunkturtempo, zumindest in der Theorie.

In der Börsenpraxis gibt vor allem die Entwicklung der Unternehmensgewinne die Richtung der Kurse vor. Im Großen und Ganzen werden natürlich auch sie sinken, wenn die Konjunktur lahmt. Doch einzelne Branchen und Firmen könnten von einer älteren Gesellschaft durchaus profitieren.

Viele Anlagestrategen durchforsten derzeit regelmäßig den Kurszettel, um Demografie-Gewinner und -Verlierer möglichst früh herauszufiltern. Oft führt der klare Menschenverstand zu einem ebenso brauchbaren Ergebnis. Der Prognosezeitraum von zehn bis zwanzig Jahren ist an der Börse allerdings eine kleine Ewigkeit, in der sich viel verändern kann.