"Wir haben es im vergangenen Jahr geschafft, und ich bin optimistisch, dass wir das auch in diesem Jahr schaffen werden", sagte EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou am Montag in Brüssel zu den jüngsten Fällen der Vogelgrippe in Großbritannien.

Auf einer Geflügelfarm des britischen Agrarkonzerns Bernard Matthews in der südostenglischen Grafschaft Suffolk war kürzlich erstmals das Vogelgrippe-Virus H5N1 festgestellt worden. Um eine Ausbreitung zu verhindern, hatten die Behörden auf dem größten englischen Geflügelhof 160.000 Tiere getötet. Unklar ist, wie der Krankheitserreger, der in seltenen Fällen auch Menschen infizieren kann, in einen abgeschotteten Stall des Zuchtbetriebs gelangen konnte.

Der britische Umweltminister David Miliband sagte, die "wahrscheinlichste Variante" sei die Übertragung durch einen Wildvogel. "Wir prüfen aber auch alle anderen Möglichkeiten." Dazu gehört auch die These, dass es eine Verbindung nach Ungarn geben könnte, wo das Virus bereits vor zwei Wochen in einer Gänsezucht aufgetaucht war. Es war der erste Fall in der Europäischen Union seit rund einem Jahr. Matthews hat auch in Ungarn mehrere Betriebe, und Tiertransporte gelten als möglicher Ausbreitungsweg der Vogelgrippe.

Am Dienstag kommen nun Tierseuchen-Experten aus allen 27 EU-Staaten in Brüssel zusammen, um über die Entdeckung des Virustyps H5N1 in England zu beraten. Die Gefahr einer Übertragung auf den Menschen sei im aktuellen Fall sehr gering. Beim Verzehr von gekochtem Fleisch und gekochten Eiern besteht nach Auskunft von Wissenschaftlern keinerlei Gefahr. Beruhigend sei auch, dass die Tiere außerhalb der Vogelzugperiode erkrankten.

Mehrere Länder haben wegen der neuen Fälle erste Konsequenzen gezogen. Russland und Irland erließen am Montag Importverbote für Geflügel und Geflügelprodukte aus dem Königreich. Auch Japan verbot die Einfuhr von Fleisch aus Großbritannien. Die Bundesregierung sieht nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums derzeit keinen Anlass zu weitergehenden Maßnahmen. Die bestehenden Vorkehrungen reichten aus. Auch das Federvieh müsse nicht flächendeckend in Ställe gesperrt werden.

Im vergangenen Jahr waren 14 EU-Mitgliedstaaten von der Vogelgrippe betroffen, auch Deutschland. Seit 2003 sind weltweit mindestens 270 Menschen an der Vogelgrippe-Variante H5N1 erkrankt. 165 von ihnen starben - die meisten davon in Asien. 200 Millionen Vögel sind bereits an dieser besonders aggressiven Form der Vogelgrippe gestorben oder wurden vorbeugend getötet. Zu der von Wissenschaftlern befürchteten Mutation in einen von Mensch zu Mensch übertragbaren Virus ist es aber bislang nicht gekommen.

Die Ausbrüche der Geflügelpest in Großbritannien und Ungarn bestätigten die Annahme, "dass das Virus bei Wildvögeln in Europa noch immer vorhanden ist", sagte der Leiter des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit, Thomas Mettenleiter. "Die Geflügelhalter sind aufgerufen, ihre Tiere genau zu beobachten und erhöhte Sterblichkeitsraten umgehend zu melden", fügte er hinzu. Für Nutzgeflügel bestehe nach wie vor ein hohes Risiko, dass das Virus über Wildvögel eingeschleppt werde. Ob es in Deutschland wieder zum Aufflackern der Tierseuche komme, lasse sich aber nicht vorhersagen. Daher sei weiterhin Wachsamkeit geboten, aber keine Panik.

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