„Fußball ist zuerst ein Spiel und dann ein Produkt, ist Sport und kein Markt, ist ein Spektakel und dann erst ein Geschäft.“ Der neue Uefa-Präsident Michel Platini hängt die alten sportlichen Werte hoch. Er möchte den Fußball beschützen. Vor der Politik, die sich immer wieder mit Regulierungen einmischt. Vor der Wirtschaft, deren Interessen manches Mal so gar nicht zum Sport passen wollen. Aber auch vor allzu egoistischen europäischen Clubs, die sich in einem Anflug von Größenwahn einst als „G14“ zusammengeschlossen haben, um sich den größten Teil aus dem Fußball-Kuchen herauszuschneiden. Allein die Champions League brachte der Uefa in der Saison 2005/06 Einnahmen von rund 600 Millionen Euro.

Da schlägt das Fußballerherz höher. Endlich macht sich jemand auf, die gelegentlich ausufernden kommerziellen und politischen Einflüsse einzudämmen. Wem anders sollte das gelingen können als der mächtigen und reichen Uefa. Sie ist die europäische Fußballregierung. Aber reicht ihr Einfluss tatsächlich? Zeigt ein Blick in die wirkliche Politik nicht, dass Regierungen ihre Handlungsmacht weitgehend verloren haben, dass die Versprechen des Wahlkampfes von den Realitäten der globalisierten Märkte schnell kassiert werden?

Die Uefa hat einen scheinbaren Vorteil: Sie ist Monopolist. Sie braucht nicht zu fürchten, dass Vereine zu einem anderen Fußball-Verband flüchten, wenn ihnen die Politik der Uefa nicht mehr passt – so wie Unternehmen Produktionsstandorte ins Ausland verlagern, wenn sie mit den politischen Rahmenbedingungen nicht mehr einverstanden sind. Fußball ist nicht Boxen, es gibt keine konkurrierenden Verbände. Deshalb gibt es beim Fußball auch nur einen Deutschen Meister, nur einen Europa-, und nur einen Weltmeister.

Doch wer leichtes Spiel für Platini und seine Ideen erwartet, der irrt. Gegen Bayern München, Real Madrid oder Manchester United lässt sich nur schwer Politik machen. Die großen Vereine haben durchaus Druckmittel, um ihre eigenen Vorstellungen durchzusetzen.

Unvergessen ist der Sommer 1998: Eine Investorengruppe plante die Gründung einer eigenständigen, geschlossenen Europaliga mit den besten Clubs. Die Uefa konnte den Angriff zwar abwehren, jedoch nicht ohne Zugeständnisse an die umworbenen Vereine. Die aufgebaute Drohkulisse zwang den Verband, den Austragungsmodus der Champions League zu ändern. Eine zweite Gruppenphase wurde eingeführt, von der sich die Vereine bessere Vermarktungsmöglichkeiten und größere Planungssicherheit versprachen.