Es ist egal, wie das Finale gegen Polen endet. Schon jetzt hat hat der Handball gewonnen, und die eigene Mannschaft fasziniert. Respekt, Deutschland! Die mediengängigen Superlative sind des Ausdrucks zu wenig, für die Leistung der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Neun Spiele in 13 Tagen sind eine unglaubliche körperliche Belastung. Und ebenso psychisch belastend - man denke an die nervenaufreibende Schlacht im Halbfinale gegen Frankreich mit der zweimaligen Verlängerung. Danke, für dieses Erlebnis!

Auch die Funktionäre und Organisatoren im Hintergrund, die mit ihrem fahrlässigen Handeln diese WM fast aufs Spiel gesetzt hätten, sollten Danke sagen. Jeder einzelne sollte zu den Spielern gehen und ihnen die Hand schütteln. Denn da stehen junge Männer auf der Platz, die bis an den Rand der totalen Erschöpfung für sich und ihr Land kämpfen und es geschafft haben, die Menschen in den Hallen und vor dem Fernseher begeistern. Es ist der Sport der begeistert, der es geschafft hat die Weltmeisterschaft in die alltägliche Wahrnehmung zu rücken, und nicht die Leistung der Organisatoren der Weltmeisterschaft. Die haben vergessen, dieses Event vorab zu bewerben.

Die Sportler waren es, die dieses Turnier in ein Mega-Event verwandelt haben. Ihr Auftreten, ihre Art, ihre Mentalität haben den Handball-Sport aus der Versenkung auferstehen lassen. Der schlafende Riese ist erwacht.

Tausende haben sich vor Großbildleinwände in Turnhallen versammelt, Blechlawinen schieben sich durch die Städte. Aus den Autos wehen schwarz-rot-goldene Farben. In der U-Bahn werden auf Anzeigetafeln Zwischenstände eingeblendet. Deutschland ist in diesen Tagen Handball. Mehr noch: Wir alle erleben gerade ein wahres Wintermärchen. Am Kiosk, beim Friseur oder im Taxi – an allen Ecken und Ende philosophieren die Menschen nicht über Schweinsteiger, Podolski oder Magath. Nein, die neuen Helden heißen Hens, Fritz oder Zeitz. Eine Reihe für die breite Öffentlichkeit Namenloser erobert den Sport-Laufsteg.

Das Medieninteresse an der Weltmeisterschaft wächst beinahe stündlich. Wie Popstars von Teenies werden die Männer von Trainer Heiner Brand von Journalisten umringt. Das Halbfinale gegen Frankreich verfolgten 15,34 Millionen Fernsehzuschauer. Selbst die kühnsten Optimisten hätten damit nicht gerechnet. Die zwölf Arenen haben eine Auslastung von 99 Prozent. Wer zum Finale in die KölnArena am Sonntag gegen Polen möchte, muss die Geldbörse ganz weit aufmachen. Beim Internetauktionshaus Ebay werden Tickets für über 1000 Euro gehandelt. Handball ist in.

Wer aber jetzt damit rechnet, dass die Handballer sich nach der WM vor Werbeverträgen kaum retten können, hat sich geirrt. Die Fußball-Millionen bleiben unangetastet. Dafür werden die Funktionäre schon sorgen. Und dennoch wird der Handball einen Aufschwung erleben. Der Fanansturm kommt. Schon jetzt glühen bei den Vereinen die Telefondrähte.

Natürlich wäre ein Sieg gegen Polen im Finale, das am Sonntagabend um 16:30 Uhr beginnt, und der damit verbundene Gewinn des Weltmeistertitels die Krönung einer zweiwöchigen Leistung. Aber gemessen wird die deutsche Mannschaft nicht mehr an dieser Partie. Bei einer Niederlage wäre der Respekt gegenüber dem Erreichten größer als die Enttäuschung. Danke, Hens, Fritz und Co.! Ihr habt uns die Leidenschaft, die nach der Fußball WM wieder verloren schien, zurückgebracht.

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