Die Katharinenschule Lutherstadt Eisleben wird künftig die einzige Sekundarschule in der Umgebung sein. Da es immer weniger Schüler gibt, werden Schulen in Sachsen-Anhalt geschlossen und zusammengelegt. 1994 gab es 25 Haupt- und Realschulen im Land. Heute sind es sieben. Ich bin mit Karin Kammlott verabredet, die an der Katharinenschule Geschichte, Russisch und Englisch unterrichtet.

Auf der Zugstrecke unweit von Eisleben sehe ich kegelförmige Gebilde, grauschwarze Halden, die sich vom flachen Land abheben, als wollten sie still und hartnäckig an die Geschichte erinnern. Von Kupferschieferabbau in den Jahren 1940 bis 1968 zeugen sie und vom Aufstieg und Niedergang des Mansfeld-Kombinats, dessen Industriebetriebe zu DDR- Zeiten von Stralsund bis ins Erzgebirge reichten.

Nach der Wende gingen durch die Schließung des Kombinats etwa 40 000 Arbeitsplätze verloren. Und damit angeschlossene Kindergärten, der Bustransfer, KFZ- Stellen, Kulturorganisationen und vieles mehr.

Frau Kammlott und ich suchen am Marktplatz von Eisleben die Lobby eines Hotels auf, um Kaffee zu trinken. Der Marktplatz, von sanierten Häusern in hellen Farben umsäumt, ist am Samstagmittag beinahe menschenleer. Ich staune.